Wer hat eine Idee, wie die deutsch-französische Freundschaft, der alte Motor Europas, wieder auf Touren kommen könnte? Der französische Finanzminister. Dominique Strauss-Kahn hat seinem deutschen Amtskollegen Hans Eichel bei einem gemeinsamen Wanderausflug in Süddeutschland vorgeschlagen, die deutsche und die französische Ländervertretung im Internationalen Währungsfonds (IWF) zu einem gemeinsamen Sitz zusammenzufassen.

Hinter dem Vorschlag, der mit dem französischen Staatspräsidenten und mit dem Premierminister abgestimmt ist, steht der Wunsch Strauss-Kahns, das wirtschafts- und währungspolitische Denken im Euro-Raum zu entnationalisieren. Im französischen Finanzministerium sieht man darin denn auch "den wichtigsten deutsch-französischen Schritt seit dem Elyseé-Vertrag".

Die beiden Nachbarn Deutschland und Frankreich wären durch einen gemeinsamen Sitz im IWF zu einem ständigen Dialog gezwungen - auch und gerade über Fragen, in denen sie traditionell gegensätzliche Interessen haben: Hilfsprogramme für Osteuropa und Afrika zum Beispiel. Die Funktionsweise des Währungsfonds würde eine enge Zusammenarbeit der entsprechenden Abteilungen in den beiden Finanzministerien voraussetzen, die zum Teil in einem neu einzurichtenden gemeinsamen Entscheidungsgremium aufgehen müssten.

Technisch und diplomatisch ist die Sache kompliziert: Mitglieder im IWF sind Staaten und nicht Währungsgebiete. Auf welcher Grundlage soll der Zusammenschluss vonstatten gehen? Die Schaffung eines Stuhls für zwei Staaten ist im Regelwerk des IWF nicht vorgesehen. Frankreichs Gouverneur, das heißt der Spitzenvertreter, beim Internationalen Währungsfonds ist der Finanzminister. Das ist in den meisten europäischen Staaten so üblich. In Deutschland allerdings hat der Präsident der Bundesbank das Gouverneursamt inne, der Finanzminister fungiert bloß als sein Stellvertreter. Wer von ihnen hat aber bei einer so weit reichenden Entscheidung wie der Fusion der beiden Vertretungen das letzte Wort?

Die Gouverneure treten nur zweimal im Jahr bei Tagungen des Währungsfonds in Erscheinung. Das Alltagsgeschäft in Washington wird vom Exekutivkomitee geführt. Seine Mitglieder, die Exekutivdirektoren, sind Beamte ohne eigenen Entscheidungsspielraum, die ihr Vorgehen eng mit der heimischen Hierarchie abstimmen müssen. Wenn in Zukunft nur ein Exekutivdirektor im Namen beider Staaten sprechen soll, müssen Interessenkonflikte im Vorfeld geklärt und entschieden werden. Darin liegt die Tiefenwirkung der französischen Idee.

Deutschland fürchtet Ärger mit den Vereinigten Staaten Diplomatisch ist zu befürchten, dass sich andere Länder aus der Euro-Zone brüskiert fühlen von einem symbolisch derart weit reichenden Vorstoß Deutschlands und Frankreichs: Italien, Spanien und die Niederlande zum Beispiel. Anlass zu Ärger mit Amerika, den die deutsche Regierung offenbar fürchtet, will man im französischen Finanzministerium jedoch nicht erkennen. Denn die Vereinigten Staaten verfügen im Währungsfonds über eine Sperrminorität. Deutschland und Frankreich dagegen würden auch nach einer Zusammenlegung ihrer Stimmrechte keine solche Vetoposition erreichen.

Wenn die Vereinigten Staaten im deutsch-französischen Sitz freilich das Trojanische Pferd eines gemeinsamen Euro-Sitzes ahnen, könnten sie mithilfe ihrer Sperrminorität versuchen, die Kooperation zu verhindern. Ohne institutionelle Änderungen aber würde die französische Idee auf unverbindliche Absprachen beschränkt. Daran kann Strauss-Kahn, der haltbare Strukturen für die Zukunft schaffen und national gefärbten Konflikten vorbeugen möchte, nicht gelegen sein.