Als Stefan Rode seine Englischkenntnisse für seinen Job verbessern musste, flog er nach Kapstadt und besuchte dort einen dreiwöchigen Sprachkurs am Cape Communication Center. Sein Arbeitgeber zahlte den Kurs und die Unterkunft, er den Flug. "So billig wäre ich doch sonst nie nach Südafrika gekommen", sagt der 31-jährige Diplomökonom.

Paukte man fremde Sprachen bisher vor allem in Europa, so zieht es die Sprachschüler von heute zunehmend in die weite Welt: Die USA und Kanada, aber auch Australien, Neuseeland, Südafrika und Lateinamerika werden immer beliebter. Verlockend sind dabei vor allem die Preise. Ein Spanischkurs in Ekuador kostet wesentlich weniger als ein Kurs in Spanien. Ein Englischkurs in Kapstadt ist günstiger als ein vergleichbares Angebot in England. Zudem gewinnen die kulturellen Feinheiten an Bedeutung. Ist es angebracht, pünktlich zu kommen? Wann bringt man Geschenke mit? Welche Themen sind beim Small Talk tabu? Wer seine Sprachkenntnisse für den Beruf braucht, sollte die Fettnäpfchen kennen, die bei der Begegnung von Menschen aus verschiedenen Kulturen lauern. Wer einen Job in den USA antreten will, tut gut daran, seine Englischkenntnisse auch dort aufzufrischen und nicht bei den förmlicheren Briten. Und wer seine Verhandlungen in Lateinamerika führen muss, paukt seine Spanischvokabeln besser in Guatemala als in Málaga.

Etwa 140 000 Deutsche pro Jahr verbessern ihre Sprachkenntnisse auf einer Sprachreise und verbinden dabei das Angenehme mit dem Nützlichen. Tendenz steigend. Laut einer Statistik des Fachverbands Deutscher Sprachreise-Veranstalter (FDSV) in Stockstadt büffeln zwei Drittel der Erwachsenen dabei Englisch, an zweiter Stelle steht Spanisch mit 16 Prozent. Französisch ist auf den dritten Platz zurückgefallen.

Sprachkurse gibt es zwar auch in Deutschland wie Sand am Meer, doch "das Lernen im Ausland bietet den direktesten Zugang zu einer Sprache", sagt Konrad Schröder, Sprachwissenschaftler an der Universität Augsburg. Ob beim Weg zum Unterricht, beim Einkaufen oder beim Kneipenbesuch, überall werden vor allem kommunikative Fähigkeiten gefordert.

Hilfe beim Einstieg in neue Sprachwelten bieten zahlreiche Sprachreiseveranstalter. Nach Schätzungen des FDSV gibt es in Deutschland 30 bis 35 professionelle Veranstalter für Sprachreisen. 19 davon haben sich in dem Verband zusammengeschlossen. Der FDSV hat Richtlinien zur Ausschreibung und Durchführung von Sprachreisen entwickelt, überprüft bei seinen Mitgliedern regelmäßig deren Einhaltung und hat zudem einen 48-seitigen Ratgeber über Sprachreisen herausgegeben.

Waren es lange Jahre vor allem Schüler, die ihre Sprachkenntnisse im Ausland verbesserten, so überwiegen seit 1997 die Erwachsenen. "Darin spiegelt sich die gestiegene Bedeutung der Sprachkenntnisse im Beruf wider", erklärt James Swift, Vorsitzender des FDSV und zudem Chef von LAL Sprachreisen in München. So seien bei LAL die meisten Sprachschüler inzwischen 25 bis 30 Jahre alt.

"Die Leute sind viel reiseerfahrener und wollen auch etwas vom Land sehen", begründet Swift den Trend in die Ferne. Schließlich kann man dabei nach dem Kurs das Land erkunden. "Viele machen danach noch zwei Wochen Safari", beobachtet Karl Rütti, Schulleiter am Cape Communication Center in Kapstadt. Einige Veranstalter bieten ihren Sprachschülern auch attraktive Anschlussprogramme an. Das reicht von der Rundreise bis zum Segeltörn. Im Trend liegen auch Kombinationen: vormittags Vokabeln pauken und am Nachmittag kochen, tauchen oder in den Thermalquellen vor Ort kuren. Lernwillige, die Wert auf ein individuell abgestimmtes Unterrichtsprogramm legen, können im Hause ihres Lehrers wohnen und lernen. Das Angebot von Studiosus Reisen gibt es an zahlreichen Orten auf der ganzen Welt: Spanisch in Buenos Aires, Hebräisch in Tel Aviv, Englisch in Palm Springs oder Chinesisch in Taipei.