Vor uns liegt eine große Herausforderung: soziale Gerechtigkeit und Solidarität zu schaffen in einer Welt, in der das Kapital sich mit der Geschwindigkeit elektronischer Impulse bewegt und in der ein Teil der wertvollsten Leistungen - Softwareentwicklung, Musik, Unterhaltung, Design, Konstruktionsarbeit, Rechts-, Finanz- und Beratungsdienstleistungen - sich fast ohne Zeitverlust im Cyberspace bewegen können. Die Fortschritte bei der Telekommunikation machen jetzt aus allen Unternehmen, allen Institutionen und allen Gemeinschaften Netzwerke von Menschen, die ihre Aktivitäten nicht mehr über Bürokratien, sondern über Bits und Bytes koordinieren.

Bei dieser Herausforderung geht es nicht um Ideologien, sondern um die Praxis. Auf der einen Seite stehen die Menschen, die von unserer Gesellschaft so viel wie möglich stabilisieren und erhalten wollen, einschließlich der Arbeitsplätze und der gewachsenen Bindungen. Das ist ein ehrenwertes Ziel. Unsere Identität beruht auf dem, was wir tun, auf unseren Fähigkeiten und Fertigkeiten, auf unserem Wohnort und unserer Lebensweise, auf unserer Familie, unseren Freunden, unseren Nachbarn und unseren Wurzeln. Das andere Extrem vertreten diejenigen, die alle Hindernisse beseitigen wollen, die jemanden daran hindern könnten, auf dem Markt für sich das Günstigste herauszuholen.

Egal, wo man zwischen diesen beiden Extrempositionen steht - einig sind sich fast alle, dass die Politik sich ändern muss, um auf die neue Welt des globalen Wettbewerbs, globaler Kapitalströme und technischer Veränderung reagieren zu können.

Jeder Versuch, alles beim Alten zu belassen, wäre äußerst kostspielig und würde ständig kostspieliger werden. Nichttarifäre Handelshemmnisse, Subventionen, Steuervorteile, Kapitalverkehrskontrollen und Sozialausgaben, mit denen das Vorhandene konserviert werden soll, anstatt die Menschen auf das Kommende vorzubereiten, können nicht langfristig aufrechterhalten werden. In der Praxis würden solche Maßnahmen im Bankrott der Gesellschaft und in einem Einbruch des Lebensstandards enden. Kapital und Talent werden aus einem solchen Land einfach abwandern. Andererseits wird ein System, in dem jeder Einzelne schutzlos den Stürmen des Marktes ausgeliefert ist, enorme Einkommens- und Vermögensunterschiede und chronische wirtschaftliche Unsicherheit produzieren.

Es wird unterstellt, dass man nicht zugleich so viel soziale Gerechtigkeit und Stabilität haben kann wie bisher in den sozialen Demokratien und so viel Beschäftigungszuwachs wie in Amerika. Es wird unterstellt, dass man für die Schaffung von Arbeitsplätzen in Europa auf ein gewisses Maß an sozialer Gerechtigkeit wird verzichten müssen. Um in Amerika an sozialer Gerechtigkeit zu gewinnen, müsse man auf einen Teil der wirtschaftlichen Vitalität verzichten. Ich sehe keinen Grund, warum wir ein Entweder-oder akzeptieren sollten. Es ist möglich, Arbeitsplätze zu schaffen und zugleich in einer gerechten Gesellschaft zu leben. Das Konzept steht auf drei Beinen:

Ein aktiver Staat muss in Menschen investieren

Erstens: Flexible Unternehmen. Flexible Arbeitsplätze und Löhne sind wichtig, aber die Flexibilität der Wirtschaft hat auch viele andere wichtige Aspekte. Beispielsweise sollten die Arbeitgeber von überflüssigen Vorschriften befreit werden. Dazu gehören Flächennutzungsvorschriften, die ohne jeden sozialen Nutzen die Innovation ersticken. Kleine und mittlere Unternehmen müssen zu erträglichen Konditionen Zugang zu Kapital erhalten. Unternehmensgründungen müssen erleichtert werden.