Sagen wir es ganz offen: Es ist immer dasselbe mit Belgrad. Da demonstrieren Zehntausende, um einen Wandel zu erzwingen, die Polizei greift prügelnd ein, und die Opposition liegt sich derweil in den Haaren - am Ende bleibt Slobodan Milosevic der Sieger. Belgrad verfällt wieder in Apathie, bis zum nächsten Aufflammen.

Wer will noch hinsehen? Kaum einer. Es gibt nicht wenige im Westen und in Jugoslawien, die sich mit Milosevic abgefunden haben. Ein zweiter Tito wird er sein, an die Macht geklammert, bis ihn der Tod dahinrafft. Jugoslawien, ein schwarzes Loch im Herzen Europas. Unangenehm zwar, aber doch harmlos, solange Milosevic in seinem Käfig eingesperrt bleibt. Traurig für die Serben, aber sie haben es ja so gewollt.

Es gibt gute Argumente für diese Meinung, aber man muss dagegenhalten. Solange Milosevic an der Macht bleibt, gibt es keinen Frieden auf dem Balkan. Trotz aller Aussichtslosigkeit, auch das System Milosevic hat seinen kritischen Punkt - ist er erreicht, stürzt es ein. Aber wo liegt dieser Punkt? Vor allem: Wie kommt man dahin?

Der Oppositionelle Zoran Djindjic spricht von einer Million Menschen, die es braucht, um Milosevic zum Aufgeben zu zwingen. Aber das ist Zahlen-Kabbalistik, mal ganz abgesehen davon, dass die Opposition in Belgrad auch zu ihren besten Zeiten nicht mehr als 300 000 Menschen auf die Straße brachte. Es ist da schon besser, ehrlich zu sein: Wer Prognosen stellt, liegt falsch.

Lieber sollte man sich auf das Wetter verlassen. Der Winter nämlich kommt mit Sicherheit. Auch nach Belgrad. Vielleicht löst er aus, was weder Nato noch Hunderttausende Serben geschafft haben. Aber eben nur vielleicht.