So oft machen die Hamburger keinen zu ihrem Ehrenbürger. Der erste war 1813 der russische Obrist Carl von Tettenborn, der die Stadt von den Franzosen befreit hatte. Die jüngste und Nummer 28 in der Ehrenreihe ist Marion Dönhoff nach Helmut Schmidt und Rudolf Augstein.

Ortwin Runde, der Erste Bürgermeister der Hansestadt, begründete am vergangenen Mittwoch vor der Bürgerschaft, warum die Stadt Marion Dönhoff mit der höchsten Auszeichnung, die Hamburg zu vergeben hat, ehren wolle. Er sagte unter anderem: "Wir zeichnen eine kluge, standhafte Frau aus. Eine Frau mit der raren Eigenschaftskombination Reflexion, Tatkraft und Uneitelkeit. Ihr Engagement, ihre Rechtschaffenheit und ihre unerschrocken zupackende Liberalität haben Maßstäbe gesetzt - im deutschen Journalismus, in Gesellschaft und Politik, in Hamburg, in Deutschland, Europa und in der Welt ... Was wir Marion Dönhoff hoch anrechnen, sind ihre Verdienste um Hamburg als Medienmetropole. Medienmetropole wird man nicht allein durch Auflagen und Umsatzzahlen. Zu einer Medienmetropole gehört vor allem auch publizistische Qualität, wie sie die ZEIT seit Jahrzehnten bietet. Viele haben in diesen Jahren am Profil der ZEIT gemeißelt, aber niemand hat dem Blatt einen so unverwechselbaren Charakter geben können wie Marion Gräfin Dönhoff. Mit der ZEIT hat Frau Dönhoff über Jahrzehnte den Ruf Hamburgs als Heimat kritischer Liberalität nach außen getragen und gestärkt."

Keiner in der Bürgerschaft widersprach dem Bürgermeister. Die Abgeordneten der SPD, CDU und der Grünen stimmten einstimmig zu, und ihre Redner feierten Marion Dönhoff in warmen und herzlichen Worten als ihr Vorbild. Wobei manch lobendes Wort auch auf die klassische ZEIT fiel.