In dem Film Tote tragen keine Karos quält eine Psychoblockade den Hauptdarsteller immer dann, wenn er das Wort "Reinigungsfrau" hört. Sehr lästig - doch nichts gegen einen SPD-Parteivorsitzenden mit einer Abneigung gegen den Begriff "Sozialdemokratie". Bei Sabine Christiansen schlich Gerhard Schröder immer wieder um das heiße Wort herum. "Nicht unsozialdemokratisch" nannte er die Arbeitspflicht für Sozialhilfeempfänger und ähnliche in der Partei umstrittene Maßnahmen. Wie defensiv das klang. Oder steckt hinter der verdrucksten Verjahung mehr?

Es gebe keine sozialdemokratische, nur eine moderne Wirtschaftspolitik, hat Schröder einst formuliert soll also "nicht unsozialdemokratisch" nun bedeuten, dass seine Flexibilität doch sozialdemokratisch sei? Ergibt minus mal minus plus? Das Wesen der doppelten Verneinung ist Rätselhaftigkeit - nur für Linguisten nicht: Die sehen darin den rhetorischen Versuch, gerade durch zurückhaltende Formulierung über gängige Deutungen hinauszugehen. Demnach meinte Schröder also SPD-Traditionen und SPD-Modernität zugleich und noch etwas Geheimnisvolles mehr. Also wahrscheinlich alles. Wenn aber alles sozialdemokratisch ist, was ist es dann nicht? Die Frage bleibt unbeantwortet. Aber nicht uninteressant.