Paris Während in Deutschland die Debatte über die "Schwulenehe" gerade erst beginnt (ZEIT Nr. 40/99, Seite 1 und 4), rückt der "Pacs" in Frankreich schon in Sichtweite: Am 13. Oktober wird die Nationalversammlung in feierlicher Sitzung ein Gesetz verabschieden, das allen unverheirateten Paaren - gleich ob hetero- oder homosexuell - mehr Rechte verschafft.

Ab dem Frühjahr 2000 können Pacs-Paare ihren Partnerschaftsvertrag von den Kanzleischreibern der 460 französischen Amtsgerichte registrieren lassen. Die Folgen: Vorteile bei der Erbschaft- und Einkommensteuer, Anspruch auf Wohngeld und bestimmte Familienbeihilfen. Die Auflösung der Partnerschaft erfolgt per Einschreiben eines der Beteiligten. Beide haften für Schulden aus der gemeinsamen Lebenszeit.

Der Pacte Civil de Solidarité, der "bürgerliche Solidaritätspakt", entspringt, was das Premierministeramt heute hartnäckig leugnet, einem Wahlkampfversprechen Lionel Jospins an militante Schwulenorganisationen. Insgesamt war die Linke keineswegs überzeugt von dem Vorhaben: Zur ersten Abstimmung vor etwa einem Jahr kamen so wenige Abgeordnete der Regierung, dass die Opposition das Gesetz mühelos zu Fall bringen konnte.

In der weiteren Debatte hat sich vor allem die konservative Neogaullistin Christine Boutin einen Namen gemacht. Bibelschwingend und bis zur Heiserkeit wetterte sie in der Nationalversammlung gegen den Gesetzentwurf. Einzelne Parlamentarier auf der rechten Seite hingegen unterstützen den Pacs. Der barocke Vorschlag einer anderen Neogaullistin, die neuen Rechte ausdrücklich auch Geschwisterpaaren zu gewähren, wurde aus der Endfassung des Textes gestrichen.

Auch außerhalb des Parlaments regt sich die Opposition. Frankreich ist ein lateinisches Land in Dingen, die mit Sexualität zu tun haben, gilt der liberale Rechtsstaat wenig. Binnen weniger Monate unterzeichneten 12 000 (von 33 000) Bürgermeister, die in Frankreich auch Standesbeamte sind, eine Petition gegen den neuen Paar-Vertrag.

30 000 bis 40 000 homosexuelle Paare, so das Finanzministerium, interessieren sich für den Pacs. Was die 2,5 Millionen unverheirateten Paare aus Mann und Frau darüber denken, weiß man nicht.