Der Gedanke an sein Testament kam Hans Petersen fast zu spät. Erst nach einem Schlagfall dachte der 72-jährige Sägereibesitzer daran, seinen Nachlass zu regeln. Denn ohne Testament und ohne geschickte Verteilung seines Immobilienvermögens müssten Petersens Erben später kräftig Steuern zahlen.

Das fehlende Testament verbindet den Sägereibesitzer mit vielen Deutschen. Nur jeder Dritte, schätzen Experten, setzt hierzulande den Letzten Willen auf. Dabei ist der geordnete Nachlass dringender denn je: Bis zum Jahr 2002, errechnete die Kölner BBE-Unternehmensberatung, werden in Deutschland rund zwei Billionen Mark vererbt - so viel wie nie zuvor. Gleichzeitig hält die Diskussion über eine Erhöhung der Erbschaftsteuer an.

Dabei hat sich zum Beispiel die Situation von Immobilienerben bereits seit 1996 immer weiter verschlechtert. Ausgangspunkt war ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts (Aktenzeichen 2 BvR 552/91), das von der damaligen Bundesregierung verlangte, Häuser und Grundstücke höher zu besteuern. Bis zu diesem Zeitpunkt rechnete der Fiskus immer noch auf der Grundlage der alten Einheitswerte von 1964. Wer Immobilien erhielt, musste deshalb wesentlich weniger Steuern zahlen als zum Beispiel ein Erbe einer Segelyacht.

Zwar richtet sich die Erbschaftsteuer seit dem Jahressteuergesetz 1997 nach den Mieteinnahmen, die mit einer Immobilie erzielt werden. Die Steuerlast ist aber immer noch günstiger als bei anderen Geldanlagen: Während bei Aktien oder Investmentfonds der tatsächliche Wert zugrunde gelegt wird, basiert die Erbschaftsteuer für Immobilien zur Zeit auf 50 bis 70 Prozent des potenziellen Verkaufspreises.

Das könnte sich bald ändern. Schließlich wollen Teile von SPD und Grünen die Abgaben auf Erbschaften erhöhen. Die SPD-Bundestagsfraktion etwa will laut ihres stellvertretenden Vorsitzenden Joachim Poß "ohne Tabus prüfen, wo es bei der Erbschaftsteuer Handlungsbedarf gibt" (ZEIT Nr. 38/99).

Ohne Testament kommt es zur gesetzlichen Erbfolge

Noch existieren großzügige Freibeträge. So können Ehepartner und Kinder 600 000 und 400 000 Mark steuerfrei erben (siehe Tabelle). Diese Freibeträge gelten auch für Schenkungen und leben alle zehn Jahre wieder auf. Wer rechtzeitig plant, kann seinen Kindern und Enkeln damit auch ein Millionenvermögen steuerfrei hinterlassen. Allerdings sollten Erblasser, wenn sie ihr Haus schon zu Lebzeiten verschenken, zumindest ein lebenslanges Wohnrecht vertraglich fixieren. Der Vorteil: Selbst wenn es zum Streit kommt, kann dieser Vertrag von den Erben kaum rückgängig gemacht werden.