Hans Eichel ist blendend aufgelegt: Sparen, signalisiert sein Lachen, macht Spaß. Einfach Spaß. Vor allen anderen ist er im Spannwerk am Kreuzberger Paul-Lincke-Ufer eingetroffen, das Berliner ZEIT-Fest am vergangenen Mittwoch hat kaum begonnen. Schnell den großen Saal durchquert, die Stiege hinunter ins Kellergewölbe, wo in dunklen Nischen steinerne Buddhas stehen, von Teelichtern umflackert. Hier unten gefällt es dem Finanzminister, die nächste Stunde rührt er sich nicht mehr vom Fleck.

Eine Standortwahl, die strategischen Überblick beweist. Jeder, der den Keller betritt, muss an Eichel vorbei. Er könnte den Weg versperren oder freigeben. Stattdessen schüttelt er Hände, und alle strahlen, als mache auch ihnen das Sparen einfach Spaß.

Reden wir von Lafontaine. Nein, dessen Buch werde kein Renner, mutmaßt der Nachfolger. Die spannendsten Kapitel seien ja vorab in den Zeitungen zu lesen. Und überhaupt wollten die Leute das alles so genau nicht wissen. Obwohl - so manche schöne Geschichte wäre da schon zu erzählen aus dem Finanzministerium. Stilles Lächeln.

Die Koalition in Schwierigkeiten, Panik bei den Grünen - klopfen die Liberalen nicht längst heimlich ans Fenster der SPD? Was heißt hier heimlich? Jede Nacht hämmern die an die Fensterscheiben!

Ein Glas noch. Hans Eichel muss zum Kanzler. Der trifft sich mit den Länderchefs der SPD. Auch an diesem Abend braucht er den Finanzminister an seiner Seite.

Das Fest, der große Gleichmacher - alle Differenzen werden aufs schönste eingeebnet. Es sitzen nicht die einen an den Prestigetischen, die anderen am Katzentisch, die Kameras richten sich nicht auf die Zelebritäten und vergessen die Hinterbänkler.

Nichts ist zu spüren von der sozialen Hierarchie, den feinen, kleinen Unterschieden. Cem Özdemir, Otto Sander, Uwe Wesel, Alexander Fest, Frank Schirrmacher, Herta Däubler-Gmelin, Heinrich August Winkler, Peter Hintze, Mathias Döpfner - man kommt ins Gespräch.