Lauter Nachworte - so hieß einer seiner frühen Essaybände, und lauter Nachworte werden Johannes Gross jetzt respektvoll nachgerufen. Es drängt mich, ihnen ein persönliches Wort anzufügen.

Ich habe Johannes, den zwei Jahre jüngeren, seit fast vier Jahrzehnten gekannt. In den Sechzigern, als wir beide noch unsere journalistischen Lehrjahre absolvierten, trafen wir öfters auf Akademietagungen als Debattengegner aufeinander. In den Siebzigern reisten wir einmal zu zweit im Auftrag des Goethe-Instituts durch Indien, um dort Deutschland zu "verkaufen". In den Achtzigern trieben wir uns auf Einladung der Lufthansa zehn Tage in Alaska herum, stürzten uns im Schlauchboot die Mendenhall-Fälle hinunter und disputierten aufs hitzigste in der schummrigen Ponderosa Bar zu Kotzebue, angestachelt von zwei stummelzähnigen Inuit-Liebesdienerinnen, die uns vergebens ihre Dienste aufzudrängen suchten.

Auch gibt es Fotos von uns, wie wir, der Lange und der Kurze, bei der Abschiedsparty des Stern für Peter Scholl-Latour ausgelassen miteinander tanzten. Anfang der Neunziger schließlich bat "Bruder Johannes" mich, im wöchentlichen Wechsel mit ihm bei Premiere die Sendung Tacheles zu moderieren, den von ihm erfundenen Vorläufer der gleichnamigen ZDF-Sendung.

Johannes Gross war ein Profi, aber ein fundierter. Wo andere blendeten, da funkelte er. Seine Sprache schliff er immer auf brillierende Facetten zu, manchmal auch auf scharfe Spitzen, wobei ihm allerdings die Schärfe des Gedankens am wichtigsten blieb

es kam ihm nicht aufs Verwunden an. Er war ein Genießer, aber ein geistvoller

ein Spötter, doch kein Zyniker

er hatte unendlich viel Witz, ohne jemals zu dröhnen.