Das Bündnis für Arbeit soll leben, auch wenn sich der eine oder andere dafür ziemlich verrenken muss. Klaus Zwickel versuchte am Dienstag auf dem Gewerkschaftstag seine IG Metall mit staatsmännischen Appellen wieder aus der Sackgasse herauszulotsen, in die er sie zuvor mit seiner Ausstiegsdrohung ohne Not geführt hatte. Und kommende Woche wollen er, Arbeitsminister Walter Riester und einschlägige Experten einen Ausweg aus jenem Streit um die Rente mit 60 finden, der das Bündnis fast zum Platzen brachte.

Zwickel will ein Gesetz, das möglichst vielen den Ausstieg mit 60 ermöglicht, die Bundesregierung schließt höhere Beiträge für die Rentenkasse energisch aus. Also muss ein Modell her, das die Alterssicherung auch kurzfristig nichts kostet. Illusorisch der Wunsch der IG Metall, ihr Lieblingsprojekt durch die Ökosteuer zu finanzieren, abenteuerlich ihre Idee, sich das Geld am Kapitalmarkt zu pumpen. Im Arbeitsministerium wird deshalb an einem anderen Konzept gebastelt: Die bei der Frühverrentung fälligen Abschläge könnten dadurch ganz verhindert werden, dass den Rentenkassen die Mehrkosten - pro Fall an die 100 000 Mark - vorab in einer oder mehreren Tranchen ausgeglichen werden. Liquiditätsengpässe, sagen die Experten, ließen sich so verhindern, Zwickel könnte sein Gesetz haben.

Den Schwarzen Peter bekäme er aber gleich mitgeliefert. Dann nämlich muss er einen Tariffonds erfinden, der sehr schnell potent genug ist, diese hohen Kosten zu tragen. Auch seine eigenen Leute muss er erst noch überzeugen: Die Jungen sollen die abstrakte Solidarität aufbringen, viel Geld in diesen Tariffonds zu bezahlen, damit die Alten früher in den Schrebergarten wechseln können - und das blinde Vertrauen, dass sich mit Zwickels mechanistischem Modell tatsächlich in nennenswerter Zahl Jobs schaffen lassen. Und die Arbeitgeber werden sich auf den teuren Fonds nur dann einlassen, wenn sich die IG Metall für mehrere Jahre auf niedrige Lohnerhöhungen verpflichtet. Zweifelhaft, ob Zwickel all das schafft.

Das Bündnis also lebt, die Rente mit 60 noch lange nicht. Aber darum geht es vorerst wohl auch nicht, sondern darum, dass alle Beteiligten ihr Gesicht in einer Veranstaltung wahren können, die den Beweis ihrer Existenzberechtigung noch immer schuldig ist.