Zuletzt hat der Dichter Tagebuch geführt. In Tabu I (1995) bilanzierte er, nicht ohne Selbstironie, ein "bis auf den Grund verfehltes Schriftstellerleben": trotz eiserner Schreibdisziplin nur "kleene Bändchen" vorgelegt statt Großromane wie Freund Grass

im Feuilleton, bei den "hochprivilegierten Zeitgeistwendern", nur als Zweitligist geschätzt

dazu das Gefühl, ein "intellektuell Entwurzelter" zu sein, dessen "Veteranenbegriff von Sozialismus" nicht mehr "geschichtssynchron" läuft.

Auch an der Heimatfront wenig Erbauliches: Ausflüge "bis zur Autobahnbrücke" und "Frühstückstitten" vorm Fenster am Elbufer, gelegentlich auch "ultraglatte Pobacken" auf RTL

doch den "mehr und mehr auf seine wahre Bescheidenheitsform zurückgeschrumpften Pimperling" trifft nur die Nadel des Urologen, während im Hintergrund "paar Reihen büschelweis ergrauter Freundinnen/Freunde" gelangweilt Edel-Grappa trinken. Und dann die ultimative Backpfeife: wieder nicht in die Weihnachtsempfehlungen der ZEIT aufgenommen.

Der Gipfel!

Nun setzt Peter Rühmkorf sein Diarium der neunziger Jahre fort - in Versform.