Sie strahlten in die Kameras, die Hände in Eintracht aufeinander gelegt: die Regierungschefs von Frankreich und Deutschland, Lionel Jospin und Gerhard Schröder. Mit dabei die Konzernlenker Jean-Luc Lagardère und Jürgen Schrempp sowie der französische Finanzminister Dominique Strauss-Kahn. Die fünf hatten am vergangenen Donnerstag die Fusion ihrer Luft- und Raumfahrtindustrie nach langem Hin und Her endlich unter Dach und Fach gebracht.

Das Unternehmen mit dem sperrigen Namen European Aeronautic Defense and Space Company (EADS) vereint DaimlerChrysler Aerospace (Dasa) und Aérospatiale Matra. Der neue Riese wird mit Airbus nicht nur weltweit die Nummer zwei im zivilen Flugzeugbereich. Er dominiert zudem den Weltmarkt mit seinen Ariane-Trägerraketen und ist im militärischen Bereich der größte Anbieter von Hubschraubern, Satelliten, Flugzeugen und Verteidigungstechnik. Der Konzern weist mit 89 000 Angestellten einen Umsatz von 21 Milliarden Euro aus.

Allerdings - hinter der strahlenden Fassade verbergen sich viele heikle Fragen: Wie wird der drittgrößte Rüstungskonzern der Welt, der durch die Beteiligung anderer Länder noch weiter wachsen könnte, politisch eingebunden?

Und: Entwickelt sich ein militärisch-industrieller Komplex, der so mächtig sein wird, dass er der Politik seine Bedingungen diktiert? Schließlich: Wer kann das politische Vakuum in Europa füllen? Mit Boeing/McDonnell Douglas und Lockheed Martin in den Vereinigten Staaten und EADS sowie British Aerospace/GEC Marconi in Europa haben sich jeweils zwei Rüstungsduopole in der Welt gebildet, die vor Macht nur so strotzen.

Nicht mal über Exportverbote sind sich die Europäer einig

Nach einer Schätzung der US-Investmentbank Salomon Smith Barney wird der Umsatz der Kontinentaleuropäer mit Rüstungsgütern rund acht Milliarden Dollar betragen. Das entspricht rund 36 Prozent vom gesamten Umsatz. Zum Vergleich: Der Militäranteil britischer Waffenschmieden beträgt in der Regel 80 Prozent.

Doch während den amerikanischen Rüstungsriesen ein einflussreiches Pentagon entgegensteht, verfolgen Europas Staaten unterschiedliche Interessen. "Die Fusion passt genau in die im Bau befindliche europäische Verteidigungspolitik", verkündete der französische Premier Jospin feierlich nach der Fusion. Nachdem die Franzosen jahrzehntelang eine europäische Annäherung in dieser Frage verhindert haben, geben sie nun die Impulse.