Die Ernte des Jahres 1949 lässt sich im Großen und Ganzen gut an. Dennoch ist die Stimmung bei den meisten Bauern der Sowjetischen Besatzungszone gedrückt. Dies gilt vor allem für die so genannten Neubauern, die bei der Bodenreform 1945 mit Landparzellen bedacht worden waren. Hans Podzuweit, Inspekteur der Hauptverwaltung Land und Forstwirtschaft, beobachtet Ende August 1949 im Kreise Oberbarnim in Brandenburg: "Die Herbstbestellungspläne sind noch nicht aufgestellt. Die Neusiedler zeigten beim Einsatz der Mähmaschinen große Interessenlosigkeit." Nicht wenige Felder liegen brach.

Die Besitzer, entmutigt von vielfältigen Rückschlägen, haben ihre Hofstellen aufgegeben.

Die Neubauern sind vor allem über den schleppenden Fortschritt des Bauprogrammes enttäuscht. Die meisten von ihnen hausen immer noch auf den 1945 enteigneten Gutshöfen. Eigene Hofstellen sind ihnen seit langem zugesagt worden, und eine Reihe von Höfen ist auch tatsächlich gebaut worden. Aber 1949 geht es nicht mehr weiter. Inspekteur Podzuweit rapportiert aus den Gemeinden Straußberg und Hohenstein, ebenfalls Kreis Oberbarnim: "Jeder Neubauer klagt, sein Bau liegt seit Wochen still, weil es an Zement, Kalk und Nägeln fehlt. In Straußberg konnten 14 Häuser gerichtet werden, aber es fehlt an Holz. Ständig klagen die Neubauern, daß sie keine Scheunen bauen können."

Vielerorts konnten sie deshalb die Ernte nicht sachgemäß lagern.

Was die Neubauern im Herbst 1949 vielleicht ahnten, aber nicht wussten: Das Bauprogramm war praktisch abgeblasen worden. 1950 verschwand es dann ganz in der Versenkung, von einigen symbolischen Kreditzusagen abgesehen. Die SED-Führung war bereits still und leise auf den Kurs der Kollektivierung eingeschwenkt, nur das Datum der offenen Kollektivierung stand noch nicht fest. Da hatte es keinen Sinn mehr, Neubauernwirtschaften durch aufwändige Bauprogramme zu konsolidieren.

Und dabei waren die Erwartungen der neuen Bauern am Anfang groß gewesen: Im September 1945 hatte die sowjetische Besatzungsmacht die entschädigungslose Enteignung sämtlicher Güter mit mehr als 100 Hektar verfügt. Auch die Höfe echter oder vermeintlicher Nazi-Aktivisten kamen auf die Enteignungsliste.

Die Eigentümer erhielten Anweisungen wie diese: "Sie haben bis morgen 7 Uhr den Hof zu verlassen und sich 30 bis 40 km von hier zu entfernen. Mitgenommen werden darf lediglich Handgepäck und so viel, wie auf einen Handwagen geht."