Ob es wichtig ist, wie schön eine Feministin ist? Sie haben ein Jugendbild gewählt, Simone de Beauvoir mit schneeweißen Perlzähnen lächelnd, die dunklen Haare elegant zur Seite geschwungen, die Nase geradlinig, ihr Teint schimmert wie Silberstaub auf der riesigen Leinwand, die von der Fassade der ehemaligen Hafenhalle in Köln herunterhängt. Ein Supermodell der Frauenbewegung! "50 Jahre Das andere Geschlecht", scheint sie zu locken, "kommt zu mir, les filles, lasst uns reden ..."

Sie kamen. Konferenzzeit am Rhein, drei Tage lang saßen sie zu Füßen eines Bildes. Die strenge Elisabeth Badinter, Marlene Streeruwitz aus Wien. Benoîte Groult und Anke Engelke, es kamen die großen Damen der feministischen historischen Theorie, Rita Thalmann und Gerda Lerner, auch Hannelore Elsner und Iris Berben, Sevgi Emine Özdemir in Pluderhosen und ein paar hundert Frauen mehr.

"Ich habe lange gezögert, ein Buch über die Frau zu schreiben", schrieb Beauvoir in ihrer Einleitung. "Das Thema ist ärgerlich, besonders für Frauen; außerdem ist es nicht neu ..."

700 Seiten wissenschaftliche und philosophische Erörterung des Phänomens Geschlecht. Biologie ("... entwickelt sich das unbefruchtete Ei als Embryo ohne Hinzutreten des Männchens ..."), persisches Eherecht, der Koitus, Mutterschaft ("Sie werden am Leben verhindert. Zum Ausgleich dürfen sie mit Puppen spielen"). 20 000 Exemplare wurden in der ersten Woche verkauft.

Elisabeth Badinter sagte sehr schön, Beauvoir habe uns eine Spur hinterlassen, in der eine Frau aufrecht gehen könne. Eine Afrikanerin sagte, Optimismus habe sie von Simone gelernt, auch von Mut war die Rede, natürlich von den Enkelinnen ("treten auf unsere Schultern"). Und dann kam Khalida Messaoudi aus Algier.

Sie sagte, in ihrem Land würden Frauen im Namen Gottes gefoltert und umgebracht, zu Tausenden. Sie sagte: "Die Frauen Algeriens haben nicht geglaubt, dass jemand kommt und mit uns kämpft, wir haben erwartet, dass Einsamkeit unser Begleiter ist, aber was wir nicht verdienen, ist die Feindseligkeit, mit der man uns vorhält, diese Männer seien doch gewählt." Ihr Gesicht verzerrte sich zu einer Grimasse. "Bitte! Bitte! Bitte mischen Sie sich ein!", rief sie.

Es gab in jeder Hinsicht eine Pause. Schwer zu sagen, ob es ein Tiefpunkt oder ein Höhepunkt der Veranstaltung zum 50. Geburtstag des Buches Das andere Geschlecht war. Es gab zum Schluss enge Umarmungen, viele Taxis kamen, Alice S. rief: "Les filles, danke!" Aber man muss auch sagen, dass der große Rhein, dunkel und ein wenig glitzernd, unter den Fenstern dahinfloss wie eh und je .