Mit der ihm eigenen Begabung für wichtige Nebensächlichkeiten nannte er sich "Schriftsteller auf Reisen". Mit 45 warf er seinen "Beamtenjob" als Literaturredakteur hin, erwarb einen Campingbus und fuhr los. Der Melancholiker suchte Linderung im "Land Anderswo". Mit Horst Krügers großen Reportagen - damals wurde im Rundfunk noch erzählt - lernten die Bundesdeutschen reisen. Das Credo des Feuilletonisten, der einige Jahre auch für die ZEIT schrieb: "Gesellschaft kann man nur riechen und schmecken, das andere ist Ideologie." Er schwärmte von der Freiheit Amerikas und transportierte die Gerüche Indiens in deutsche Reihenhäuser. Unvergessen bleiben seine Deutschland-Bilder: Oberammergau, Nürnberg, Weimar. Er reiste auch auf die Schlachtfelder Flanderns und nach Ost-Berlin, um zu verstehen, wer er war: 1919 in Magdeburg geboren, Soldat, Schriftsteller, Deutscher.

Weil er den deutschen Tiefsinn hasste, schrieb er ganz leicht. Nur wenige seiner Generation sind dem "deutschen Schuldenkonto" so nachgegangen wie er, aus Liebe zu dem Land, in dem er nicht heimisch sein konnte. Jetzt ist Horst Krüger, der einzige große Reiseschriftsteller der Nachkriegszeit, 80-jährig in Frankfurt am Main gestorben.