Berlin

Es war keine gute Idee, die Worte "Bargeld für alle" auf das Transparent zu pinseln. Es flattert zwischen zwei Fenstern des Flüchtlingsheims in Berlin-Pankow, und die Fahrgäste im vorbeifahrenden Linienbus starren mit verkniffenen Gesichtern auf diese Demonstration vermeintlicher Dreistigkeit.

Einer reckt den Mittelfinger, ein anderer brummelt ein halblautes "Det-Pack-kriegt-den-Hals-nich'-voll" gegen die Scheibe. Damit sich solche Empörung nicht handfest gegen die bosnischen und kosovo-albanischen Heimbewohner entlädt, sitzen zwei Herren vom Wachschutz am Eingang. Ein paar Tage später ist das Transparent wieder verschwunden. Dafür geistert eine Parole durch die Presse, die nicht nur den Fahrgästen der Pankower Buslinie die Stirnader schwellen lassen wird. "Deutsche müssen sparen, und Flüchtlinge kriegen mehr Geld." Das riecht nach Ärger.

Eigentlich hätte dies das letzte Kapitel einer Erfolgsgeschichte werden können. Über Berlin, das so viele bosnische und kosovarische Flüchtlinge aufgenommen und versorgt hat wie keine andere Stadt in der Welt. Über Deutschland, wo so viele Kriegsflüchtlinge aus dem Balkan Zuflucht gefunden haben wie nirgendwo sonst - mehr als eine halbe Million in den letzten zehn Jahren. Politiker, so möchte man meinen, würden Selbstlobhymnen auf diese humanitäre Leistung von Staat und Gesellschaft komponieren. Warum auch nicht?

Warum nicht eine großzügige Flüchtlingspolitik ins deutsche Selbstverständnis einweben, über dessen Muster derzeit so viel gestritten wird?

Bloß werden diese Reden nirgendwo gehalten. Als ob man sich darüber ärgerte, Schwäche gezeigt zu haben, verblasst die Empathie mit den Opfern von Krieg und ethnischer Säuberung gegenüber dem Generalverdacht, die Aussicht auf ein Leben im deutschen Wohlfahrtsstaat könnte der eigentliche Grund ihrer Flucht gewesen sein. In der Hauptstadt geht man inzwischen radikaler vor als in jedem anderen Bundesland: Flüchtlinge, darunter auch Traumatisierte, werden vor die Wahl zwischen Ausreise und Obdachlosigkeit gestellt.

Flüchtlinge sind gemeinhin heimatverbundene Menschen