Das Deutsche Literaturarchiv in Marbach und die ZEIT bitten Sie, liebe Leser, um Hilfe. Es geht darum, Bücher vor dem Säuretod zu retten. Papier ist leider nicht geduldig. Die Bestände der Bibliotheken sind höchst gefährdet und teilweise unrettbar verloren, weil sie auf säurehaltigem Papier gedruckt sind, wie es zwischen 1860 und 1970 überwiegend verwendet wurde. Dieses Papier zersetzt sich. Kostbare Erstausgaben, Handschriften, Dokumente zerfallen zu Staub.

In der vergangenen Ausgabe der ZEIT hat Dieter E. Zimmer das große Datensterben geschildert. Kein Datenträger, weder das Pergament noch die CD-ROM, hält ewig. Das Kuriose und zugleich Schreckliche aber ist, dass die ältesten Zeugnisse menschlicher Kultur haltbarer sind als die neuesten. Keilschriften überdauern viele Jahrhunderte, ein Mikrofilm jedoch oder ein Magnetband nur wenige Jahrzehnte. Verglichen damit ist Papier dann doch geduldig. Man kann es entsäuern und für lange Zeit retten. Man kann, wenn man Geld hat. Die Bibliotheken haben keins. Das bisschen, das sie für die Rettung aufwenden können, verlangsamt den Verfall, hält ihn nicht auf. Dieter E. Zimmer zeigt auf Seite 40 die unvorstellbare Größe des Problems: 24 Millionen Bände in deutschen Bibliotheken sind schon heute unbenutzbar. Er zeigt aber auch, dass es mittels neuer technischer Verfahren zumindest gelindert werden kann. Und Christof Siemes erzählt (Seite 39), welche literarischen Schätze das Deutsche Literaturarchiv enthält und welche Anstrengungen es unternimmt, sie zu retten.

ZEIT

Wir nennen uns Kulturnation. Das Recht haben wir nur, wenn wir das kulturelle Erbe für die Nachkommen aufbewahren. Nach Möglichkeit sollte es lesbar sein - und mehr als ein Häuflein Krümel. Wir dürfen die Zuständigkeit dafür nicht allein dem Staat überlassen. Es sollten sich diejenigen mitverantwortlich fühlen, die ihr Wissen, ihr Weltverständnis und ihre Karriere unter anderem den Büchern verdanken - also auch wir, die wir die ZEIT machen und lesen.

Die Spendenkonten: Deutsches Literaturarchiv Marbach (Stichwort "Saure Bücher") Konto-Nr. 90-705, Postbank Stuttgart (BLZ 600 100 70);

Konto-Nr. 3 635 403, Kreissparkasse Ludwigsburg (BLZ 604 500 50)