Werbung wird es nicht geben - auch keine Prospekte oder Plakate. Der Laden wird einfach geöffnet, und die Kunden können kommen. Dass das funktioniert, hat der Newcomer längst erprobt - weltweit. Nach genau diesem Rezept schickt die spanische Textilkette Zara an diesem Wochenende ihr deutsches Flaggschiff in Hamburgs Mönckebergstraße ins Rennen. Hoch modische Kollektionen für Damen, Kinder und Herren, attraktive Schaufenster und edel ausgestattete Verkaufsräume, vor allem aber günstige Preise sollen die Kundschaft in die Läden locken. Anders als bei Hennes & Mauritz oder Benetton halten die Spanier die komplette Kette vom Design über die Produktion bis zum Handel selbst in Händen. Schnelligkeit und Qualität können, lobt denn auch das Branchenblatt Textilwirtschaft, so stets garantiert werden.

Um Deutschland hat das im galizischen La Coruña ansässige Unternehmen bisher einen großen Bogen gemacht. Zwar ist Zara neben Spanien in Portugal, Frankreich, Belgien, Griechenland oder Schweden, aber auch in den Vereinigten Staaten, Mexiko und Japan vertreten. Aber Deutschland, mit 80 Millionen Verbrauchern Europas größter Markt, galt den expansiven Spaniern bisher als zu schwierig.

Sortimenten wie Nahrungs- und Genussmittel, Bekleidung und Schuhe räumen Experten der Deutschen Bank generell "keine wirklichen Wachstumschancen" mehr ein. Aber es gibt Ausnahmen: Bekleidungsspezialisten wie Peek & Cloppenburg und Hennes & Mauritz legten trotz schwacher Einzelhandelskonjunktur ebenso zu wie die Textilangebote von Aldi, Tchibo oder Tengelmann. Auf diesen Trend setzt nun auch Zara.

Anders als bei ihrer bisherigen Expansion ging das spanische Unternehmen in Deutschland eine Partnerschaft ein. Zara Deutschland mit Sitz in Hamburg wird gemeinsam mit dem Otto Versand geführt. Beide Unternehmen, die Inditex-Holding, die neben Zara drei weitere Filialketten betreibt, und der Hamburger Versender, sind Familienunternehmen. Im Gegensatz zu den Hanseaten gilt Inditex-Eigner Armancio Ortega, der sein Unternehmen 1963 startete, als öffentlichkeitsscheu: keine Interviews, keine Pressekonferenzen. Immerhin gibt es im jüngsten Geschäftsbericht ein Foto von dem Mann. Doch neben der persönlichen Sympathie zwischen Otto-Chef Michael Otto und dem Spanier gab es weitere Gründe für das Joint Venture. Das Erfolgskonzept von Zara beruht auf erstklassigen Standorten. Diese Kenntnisse liefern die Hamburger, deren Schwester-Unternehmen, die familieneigene ECE, überdies attraktive Einkaufszentren betreibt.

Die Inditex, die gut 3 Milliarden Mark in 19 Ländern pro Jahr erlöst, zählt zu den rasant wachsenden Einzelhändlern. Die nächsten Standorte in Deutschland, ein erster Laden wurde im Herbst in Köln eröffnet, stehen schon fest: Stuttgart, München und Nürnberg.