Im Anti-Trust-Verfahren gegen Microsoft ist jetzt ein Schlichter bestellt worden. Der Berufungsrichter und Juraprofessor Richard Posner soll zwischen Microsoft und den US-Justizbehörden vermitteln. Ein Kompromiss wird auch deshalb dringend gesucht, weil 2000 ein Wahljahr ist. Alle Präsidentschaftskandidaten haben angekündigt, sie wollten den Verbraucher vor Inkompatibilitäten schützen und folglich Microsoft schonen. Selbst Al Gore, dem bislang die kritischste Position gegen Gates nachgesagt wurde, bekundete vergangene Woche bei einem Besuch in der Microsoft-Zentrale die Bereitschaft der Regierung, in dem Fall zu schlichten. In einem Artikel für Microsofts Online-Magazin Slate bewundert Gore Gates dafür, dass sein Vermögen in nicht allzu ferner Zukunft eine Billion Dollar betragen wird, fügt aber mit Blick auf die Studienmoral der Jugend hinzu: "Hätte Bill nicht das College abgebrochen, so könnte er zwei Billionen Dollar besitzen."

Vielleicht kommt es ja noch so weit. Denn mit der von der Konkurrenz verlangten Aufspaltung von Microsoft könnte Gates seinen Reichtum noch schneller vervielfachen als bisher. Eine schlanke, entspeckte "Microsoft-Betriebssystem-AG" im Verein mit kleinen, aggressiven "Baby Bills" in den Sparten Bürosoftware, Internet und Multimedia könnte sich als äusserst lukrativ erweisen.

Aber weil das alles sehr technisch ist, sind diese Strafmaßnahmen längst nicht so populär wie eine Zerschlagung. Gates-Widersacher und Sun-Chef Scott McNealy weiß die Massen auf seiner Seite, wenn er fordert: "Holt die Kettensägen raus!"