Wenn es um das vermeintliche Wundermedium Internet geht, wollen auch die Autohersteller hierzulande ganz vorne mitfahren. Tolle Dinge werden da versprochen. Mit dem "Audi Konfigurator" könne jeder Kunde ab sofort sein "Audi-Wunschmodell zusammenstellen", verkündeten etwa die Ingolstädter Marketingstrategen (www.audi.de), und das Finanzierungsangebot könne die Software auch gleich ausrechnen. Audi steht mit derlei Angeboten nicht allein. Schließlich gehe es um die "umfassende Komplettierung" der klassischen Vertriebsformen "durch die faszinierenden neuen Möglichkeiten", gab Eckard Panka, Deutschland-Vertriebschef von DaimlerChrysler, jüngst zu Protokoll.

Dass die Realität im Netz häufig nicht mit den Ankündigungen Schritt hält, zeigt jetzt eine Studie zweier Forscher von der Fachhochschule Gelsenkirchen. Ferdinand Dudenhöffer und Carina Densing haben die Internet-Auftritte von Audi, BMW, Ford, Mercedes-Benz, Opel und Volkswagen in elf kontinentaleuropäischen Ländern untersucht. "Unsere Studie zeigt, dass E-Commerce bei den Autoherstellern auf Konzernebene wenig professionell angegangen wird," zieht Automobilwirtschaftler Dudenhöffer ein wenig erfreuliches Fazit.

Umso ernüchternder sind die Ergebnisse der Studie. Zwar habe es Mercedes als Einziger geschafft, in allen elf Ländern mit einer einheitlich gestalteten Homepage aufzutreten, was gut für das Markenimage sei. Doch wenn sich der Kunde sein virtuelles Wunschmobil zusammengebastelt hat, fehlt am Ende das, was ihn wirklich interessiert: der Preis. Nicht mal die Basispreise der einzelnen Modelle werden aufgeführt. "Die aufwendigen Fahrzeugkonfiguratoren werden damit zur reinen Spielerei für Kids", kritisieren die Forscher.

Doch nicht nur die Stuttgarter Internet-Strategen bekommen ihr Fett weg. So leiste sich die Opel (General Motors) fast in jedem Land einen eigenständigen Internet-Auftritt. Das sei teuer und im Internet, wo Ländergrenzen passé sind, auch verwirrend. Andere haben in manchen Ländern überhaupt keine Homepage aufgebaut, so fehle VW in Italien, Ford in Österreich, Opel in Dänemark. Schwächen leisten sich die Hersteller bei wichtigen Informationen. Mal fehlt es an einer Händler-Suchmaschine, mal an Finanzierungsangeboten. Immerhin haben die Hersteller ihren deutschen Internet-Auftritt noch am besten ausgestaltet. Audi, BMW, Opel und VW erfüllen hier mehr als die Hälfte der von den Marketingexperten aufgestellten Kriterien, Mercedes ist das Schlusslicht.

Dass sich viele Hersteller, allen voran Mercedes-Benz, mit den Preisangaben im Internet schwer tun, verwundert indes nicht. Nach wie vor existieren große Preisunterschiede für weitgehend identische Modelle in Europa, wie jüngst wieder die EU-Kommission monierte. Solange die Autobranche in der EU noch von einer Ausnahmeregelung profitiert, nach der die Hersteller ihre Neuwagen nur an autorisierte Markenhändler abgeben müssen, werden sich Angebote wie in den USA nur schwer durchsetzen. Dort versprechen Online-Dienste wie Autobytel, den best buy, also das günstigte Angebot in Wohnortnähe, herauszufiltern.

Wer die Rabattmöglichkeiten hierzulande ausloten will, muss vorerst noch mühsam die Händler abklappern - es sei denn, er bedient sich bei Re- oder Grauimporteuren, die EU-weit Schnäppchen besorgen. Diese von den Herstellern wenig geliebte Zunft hat ihre Internet-Chancen schon erkannt (-; www.euro-car-market.de.). Der Datenbank-Betreiber Walter Schiel aus Mönchengladbach etwa (euro-car-market) verspricht über seine angeschlossenen Händler "Lieferung bis vor die Haustür". 2000 Besucher würden täglich schon seine Seiten anklicken, behauptet Schiel. Die Hersteller selber befänden sich dagegen noch "in der eher finsteren Welt der Nationalstaaten", moniert Dudenhöffer. Keine Spur von effizienten europäischen Vetriebsstrukturen.