Walvis Bay

Wir müssen unser Land befreien! Wir müssen gegen die Apartheid kämpfen! 3000 Menschen hören zu, wie der Redner unten auf dem beinharten Fußballfeld alle Register des Widerstandskampfes zieht. Seid wachsam, Genossen!

Es ist, als sei die Reise mit einer Zeitmaschine ins Jahr 1989 zurückgegangen. Die Parolen, die Armut, die triste Township, alles beim Alten.

Viva Nujoma! Viva Swapo!

Doch das ist nicht mehr der gleiche Ton: Die Jubelrufe für den Präsidenten und seine Partei klingen müde, pflichtschuldig, ganz anders als vor zehn Jahren. Da waren in der einstigen deutschen Kolonie Südwestafrika die Mauern der Apartheid gefallen, und die Menschen aller Hautfarben hatten zum ersten Mal frei und gleich wählen dürfen. Die meisten Zuhörer, die nun am 30. November und 1. Dezember einen neuen Präsidenten wählen sollen, waren da noch Kinder. Sie können wenig anfangen mit der Veteranenromantik, die aus den Lautsprechern dröhnt. Was hat sich schon geändert? Die Arbeitslosigkeit in der Township dürfte bei 50 Prozent liegen. Es fehlt an guten Schulen, an Lehrstellen, an medizinischer Versorgung.

Aber dieser Befund ist nur nebenan zu hören, in der Stadthalle von Kuisebmond, wo sich zur gleichen Zeit 500 Leute versammelt haben. "Wir warten und warten, zehn Jahre schon. Nichts ist geschehen ... Leere Versprechungen ... nur die Geldbeutel der Minister, die sind voll." Stürmischer Applaus. Der so redet und demonstrativ auf seine Hosentaschen klopft, ist nicht irgendein Wahlredner. Es ist Ben Ulenga, der Verfemte.

Der 46-Jährige kämpfte als Guerillero. Er saß mit Nelson Mandela im Gefängnis. Nach dem Machtwechsel gehörte er zum engsten Führungszirkel der Swapo und bekleidete Ministerämter. Im Herbst 1998 stieg er aus. Seine Exgenossen schimpfen ihn einen Landesverräter, weil er ihnen Machtgier, Korruption und Vetternwirtschaft vorwirft. Der Mann weiß, wovon er redet. Ulenga führt den Congress of Democrats (CoD) an, die neue Oppositionspartei, die bei den kommenden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen der übermächtigen South West African People's Organization (Swapo) die Stimmen der Unzufriedenen abjagen will.