Wenn eine TV-Reihe es sich zum Ziel setzt, Popmusik und Jugendkultur in ganz Deutschland zu dokumentieren, steht sie vor dem Riesenproblem, wie sie das Lebensgefühl ganzer Generationen bündeln soll. Ist der kleinste gemeinsame Nenner wirklich die Lösung? Der WDR ging pragmatisch vor. Er schleppte aus den Archiven an, was da so vor sich hin schimmelte, und bat berufene Altinterpreten, von Ina Deter bis Blixa Bargeld, Stellung zu nehmen. So kam immerhin ein Querschnitt zustande, der ahnen ließ: Da war noch viel mehr. Was wissen schon die Archive! So viele tolle Konzerte sind unwiederbringlich verloren - das heißt aber auch: in Sicherheit vor der Interpretationswut der Nachgeborenen. Und irgendwo werden sie ja doch bewahrt, die Erinnerung ist ein sicherer Hort. Zwar ist sie, anders als die Schätze des Archivs, zum Fälschen aufgelegt, aber sie bleibt immer persönlich. So waren denn auch die Interviews fast das Beste.

Der WDR wollte gründlich sein. Er hat nichts ausgelassen, auch nichts nachweislich Überflüssiges wie die Songgruppe TU Dresden; ja, er hat sich speziell der ehemaligen DDR gegenüber offenbar verpflichtet gefühlt, die gesamte fast nichtexistente Geschichte der Rock- und Popmusik Ost zu covern, und so gab es leere Minuten. Puhdy-Maschine Birr redete zu oft, und die Gitarrenriffs von Leuna besaßen eine eher virtuelle Qualität. Aber egal, die Doku hatte Stärken. Durch die Hineinnahme von Bildern aus der Zeitgeschichte (wie die Weltjugendfestspiele 1973 oder die Friedensdemo 1981), der Werbung (wie Simson Suhl, das HB-Männchen oder die Studio Line), und aus großen TV- und Kinoereignissen (wie Raumpatrouille Orion und Die Legende von Paul und Paula ) sowie durch O-Töne von Kids, Kommunarden, Punks und Musikhistorikern bekamen auch Spätgeborene eine Vorstellung vom damaligen Zeitgeist.