Er ist einer von dieser Sorte Mensch, die immer den Ersatzpyjama im Handgepäck haben, falls der Koffer doch mal in Timbuktu landet. Dieter Schröter kennt die Risiken, er ist Softwareentwickler. Seit zwei Jahren spielt er "Jahr 2000" im Münchner Flughafen und tritt täglich gegen Chips und Software an. Wer gewinnt, steht in vier Wochen fest.

Schröter hat den Kampf gegen das zweistellige Datum "00" schon vor 18 Jahren aufgenommen. Damals hatte der Datenbankdesigner mit enormem Weitblick vor solchen Eingaben gewarnt und die Umprogrammierung sämtlicher Flughafensysteme angeordnet. Ein Großreinemachen, das aber nicht lange vorhielt, weil sich statt der Großrechner die PCs vermehrten, und die werden nicht mehr mit Schröters Daten gefüttert, sondern von Bill Gates' Microsoft.

Ein Rauchmelder löste eine komplizierte Kettenreaktion aus

Die Chip-Checker rückten zuerst den Vitalsystemen zu Leibe. Inwieweit Abfertigung, Gepäckbeförderung, Haustelefon an Silvester funktionieren, haben die Programmierer ausprobiert. Mit der "lebenswichtigen" Gepäckförderanlage feierten sie für 36 Stunden Software-Silvester, sie wurde ins Jahr 2000 katapultiert - und lief. Für Schröter war der Betriebstest ein heimliches Vergnügen. "Wann sonst dürfen Sie zehn hoch bezahlte Ingenieure in einer Sonntagnacht herbeizitieren? Aber was das gekostet hat!" 300 000 Mark legte die Flughafenverwaltung für den Lauftest der nagelneuen Anlage hin.

Simulationen offenbaren nicht alle, aber viele Schwachstellen, merkte Schröter bei der zweistündigen Stromabschaltung am 22. September. Die Generatoren für die Notstromversorgung, die den Flughafen im Ernstfall 14 Tage versorgt, sprangen an. Doch eine Stunde später gingen alle Lichter aus, auch auf den Außenbahnen. Es war ein komplizierter Ketteneffekt, ausgelöst durch einen falsch angeschlossenen Rauchmelder. Dadurch lief ein Pufferspeicher mit falschen Daten voll, ein zweites System interpretierte die angefallenen Sekunden irrtümlich als Helligkeitswerte, und vor Schreck über so viel Licht schaltete sich die automatische Außenbeleuchtung ab. Solche verschlungenen Datenwege faszinieren selbst einen "ganz alten Datenverarbeitungsfritzen", aber sie erschreckten ihn auch. Eine unbeleuchtete Landebahn ist im Ernstfall tödlich. Und teuer, denn für systembedingte Folgeschäden im Luftverkehr haften die Flughäfen.

Sie alle würden wohl an Silvester Probleme bekommen, prognostiziert die Gesellschaft für weltweiten Luftverkehr (IATA) in Genf. Aber "schwarze Listen" nach Vorbild der USA gibt es von deutschen Behörden nicht. "Wir werden nicht vom Flug in einzelne Länder abraten", wehrt Cornelia Eichhorn vom Luftfahrtbundesamt ab. Das ist diplomatisch, weil die Regierung kein Land verprellen möchte.

Ein Flughafen wie München kann zwar eine 95-prozentige Umstellung melden, aber Teilausfälle wird es überall geben und "unkomfortable Bedingungen". Die könnten so aussehen wie beim Start der British-Airways-Maschine, mit der Schröter die "komplett manuelle Abfertigung" probte. Die Fluggäste fassten beim Koffertransport mit an und feilschten um Plätze, und "sie fanden das alles sehr lustig", sagt der geduldige Systemtester beruhigt.