Erst legte der Bund eine Milliarde drauf, dann die Wirtschaft. Jetzt stehen acht Milliarden Mark zur Verfügung, um die Zwangsarbeiter der NS-Zeit zu entschädigen. Wenigstens im Prinzip, denn die Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft hat von den versprochenen fünf Milliarden erst zwei zusammen. Zudem haben die Vertreter der Opfer die angebotene Summe noch nicht akzeptiert.

Als Geldeinsammler betätigt sich vor allem DaimlerChrysler-Vorstand Manfred Gentz. Er ist um diese Aufgabe nicht zu beneiden. Hunderte Unternehmen erhielten von ihm Post, immer wieder haben die 16 Begründer der Initiative herumtelefoniert, um säumige Unternehmen für ihre Sache zu gewinnen. Rolf E. Breuer, Chef der Deutschen Bank, lud Kollegen ein, um sie zu bearbeiten. Und doch wollen bisher nur rund 60 Unternehmen in den Entschädigungsfonds einzahlen.

In die Kritik geraten immer stärker die Wirtschaftsverbände, allen voran der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Der will sich nicht engagieren, solange seine Mitglieder ihm kein Mandat erteilen. Das wird wohl spätestens nach dem Ende der Verhandlungen nicht zu vermeiden sein, auch wenn viele Mitglieder besonders aus dem Mittelstand davon nichts wissen wollen. Wie die Wirtschaft fünf Milliarden Mark aufbringen soll, kann man sich beim BDI allerdings schwer vorstellen. Ein Sprecher: "Es wird leicht vergessen, dass da 5000 Unternehmen je eine Million Mark zahlen müssen." Aus dem Kreis der 16 Initiatoren wird indes die Forderung lauter, auch andere Wirtschaftsverbände (wie Arbeitgeber und Industrie- und Handelstag) sollten endlich ihre Mitglieder in die Pflicht nehmen.

Eine Erfahrung, die auch der BDI macht, beschreibt Deidre Berger vom American Jewish Committee (AJC) so: "Es ist klar, dass die deutschen Unternehmen vor allem auf wirtschaftlichen Druck aus den USA reagieren." Der AJC verschickte Briefe an 117 Firmen mit der Bitte, sich an dem Fonds zu beteiligen. Ganze 23 Unternehmen antworteten - die meisten mit Ausreden.