Lautawerk in Sachsen, ein Ort wie viele andere, ein Ort des Grauens.

Hermann Göring braucht Kampfflugzeuge für die Luftwaffe - ohne große Mengen Aluminium ist das nicht zu schaffen. In der Niederlausitz mit ihren Braunkohlevorkommen arbeitet seit 1918 die Hütte Lautawerk der Vereinigten Aluminium-Werke (VAW), die Nazis machen das Staatsunternehmen zu einem zentralen Rüstungsbetrieb. Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene sichern die Produktion.

Sie arbeiten unter unmenschlichen Bedingungen in der Tonerdefabrik, in der Aluminiumhütte und in der Gießerei. Karge Rationen und schlechte Unterbringung haben eine hohe Sterblichkeit zur Folge. Die gewaltige Hitze in der Gießerei lässt viele endgültig umkippen. Sie werden in Massengräbern im Wald verscharrt.

Die Aluminiumhütte Lautawerk gibt es nicht mehr, aber VAW hat als Privatunternehmen überlebt. Nur: Auf der Liste der Unternehmen, die sich an der Stiftung der deutschen Industrie zur Entschädigung von Zwangsarbeitern beteiligen, sucht man das Kürzel vergeblich. Gleiches gilt für den (ebenfalls privatisierten) Viag-Konzern, zu dessen Tochtergesellschaften die VAW seit dessen Gründung 1923 gehört.

Dabei war die VAW eine der größten Nutznießerinnen der NS-Zwangsarbeit. In Deutschland sowie in den besetzten beziehungsweise angeschlossenen Gebieten betrieb sie acht Aluminiumhütten und Hilfsbetriebe. Von Töging am Inn über Grevenbroich (Niederrhein), Lünen (Westfalen) und Schwandorf in der Oberpfalz bis nach Pettau im heutigen Slowenien kamen an die 20 000 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene bei VAW zum Einsatz.

Mit bis zu 50 Prozent lag der Anteil an Zwangsarbeitern deutlich über dem Reichsdurchschnitt. Stammwerk und Herzstück des Konzerns war das Lautawerk, eine Aluminiumhütte mit eigener Aluminiumoxid- und Elektrodenfabrik. Allein hier mussten über 5400 Zwangsarbeiter für den Rüstungskonzern fronen. Die meisten von ihnen kamen wohl aus der Ukraine, überwiegend aus Saporoshje am Dnjepr (heute: Saporishshja). Dort gab es eine Aluminiumhütte, die zum Kombinat Dnjeprogreß gehörte. Die Region war hoch industrialisiert, die Deutschen hatten deshalb leichtes Spiel, als es darum ging, die vielen tausend Industriearbeiterinnen und Industriearbeiter vor Ort zu sammeln und ins Reich abzutransportieren.

Allein zwischen dem 13. April und dem 30. Juni 1942 wurden 48 740 Menschen (26 196 Männer und 22 544 Frauen) aus Saporoshje in Viehwaggons zum Arbeitseinsatz nach Deutschland gebracht. Viele der Deportierten waren noch nicht 14 Jahre alt. Zielbahnhöfe waren Hannover, Berlin, Halle (Saale), Nürnberg, Köln, Frankfurt am Main, München und Dresden. Dresden war Verschiebebahnhof für das Lautawerk. Dort entluden die Züge aus dem Osten ihre Menschenfracht direkt auf das Werkgelände, wo mehrere Gefangenenlager aufgebaut waren.