Als sie noch in der Opposition war, spottete die Grüne Andrea Fischer gern über Eifersüchteleien beim potenziellen politischen Partner. Die Entrüstung vieler Sozialdemokraten über schwarz-grüne Kooperationen fand sie albern

die SPD koaliere doch selbst allerorten mit der CDU.

Etwas mehr von dieser alten Frechheit wäre der Gesundheitsministerin heute zu wünschen, doch ausgerechnet bei der eigenen Reformpolitik fehlt es ihr am Mut zum Seitensprung. Groß angelegte Verhandlungen mit CDU und CSU wollte Fischer aus Rücksicht auf die SPD nicht führen - dabei gäbe es Übereinstimmungen zwischen Schwarzen und Grünen eigentlich genug. Doch nun nützt die Union am Freitag dieser Woche ihre Bundesratsmehrheit zur Blockade. Fischer bleibt nur eine zustimmungsfreie Mini-Reform - das vorläufige Ende für ein rot-grünes Projekt.

Wirklich schade ist das nicht, denn die Reformer haben sich an die zentralen Probleme des Gesundheitswesens ohnehin nicht herangetraut. Ihnen ging es vor allem darum, Zuzahlungen zu verringern und die Sozialbeiträge stabil zu halten - und das nahezu um jeden Preis. Das Ziel ist richtig, auch der Versuch, die Verschwendung im System zu bremsen. Doch eine echte Reform ist das noch nicht: Dem Gesundheitswesen fehlen weiter Effizienz und Gerechtigkeit, Wahlmöglichkeiten und Transparenz.

Mehr Transparenz wäre leicht herzustellen. Die Patienten müssten nur, wie es in der Privatversicherung üblich ist, vom Arzt für alle Behandlungen eine detaillierte Abrechnung bekommen. Die würde bei der Kasse eingereicht, der fällige Betrag von der Versicherung an den Patienten und von dort an den Arzt überwiesen. Das mag für Ärzte und Versicherte zwar lästig sein, doch die Mühe lohnte sich: Solange Behandlungskosten nicht offensichtlich sind, besteht wenig Aussicht auf mehr Effizienz.

Die Grünen haben sich dem Leitbild vom mündigen Patienten verschrieben, deshalb drängen sie zurzeit auf Verbesserungen bei Patientenrechten und Selbsthilfegruppen. Doch die Ökopartei ist nicht konsequent genug: Wer seinen Bürgern wirklich etwas zutraut, sollte ihnen mehr Wahlmöglichkeiten einräumen. Genau das fordert die Union.

Rund 90 Prozent der Deutschen sind in der gesetzlichen Krankenversicherung, sie können über ihre Gesundheitsversorgung kaum selbst bestimmen. Dabei spricht wenig gegen Beitragsrabatte für denjenigen, der etwa für Akupunktur, Taxifahrt oder Zahnersatz selber zahlt oder beschließt, sich an den Kosten bestimmter Behandlungen zu beteiligen.