Nun wollen sie also miteinander reden. Kurz nachdem sie die Bundesregierung die ersten Grausamkeiten im Alleingang haben durchsetzen lassen, bieten CDU und CSU die Hand zu "vorurteilsfreien" Gesprächen über die Zukunft der Rente. Die Union hat wohl erkannt, dass sich als eine Art Ersatz-DGB in Daueropposition nicht ewig Wahlen gewinnen lassen.

Kein Wunder, dass der bedrängte Sozialminister Walter Riester das Angebot freudig annimmt. Er weiß, dass er die Union zumindest in einigen Punkten im Bundesrat braucht, wenn er seine Rentenstrukturreform, die er demnächst präsentiert, auch verwirklichen will.

Aber das ist noch nicht alles. Längst ist zweifelhaft, ob sich die Probleme der Alterssicherung durch Riesters Radikalkur - zwei Jahre werden die Renten real nicht steigen - langfristig lösen lassen. Und Riester braucht Ersatz für Norbert Blüms demografischen Faktor, der bislang nur ausgesetzt ist. Wenn die Opposition mit auf dem Schleudersitz Rentenpolitik Platz nimmt, lässt sich im Zweifel eher Unpopuläres durchsetzen - auch wenn es den eigenen voreiligen Wahlversprechen widerspricht. Die Grünen wollen die Alterung der Gesellschaft in der Rentenformel berücksichtigen, die Union will es sowieso - nun ist es an der SPD zu prüfen, ob die Idee vielleicht so falsch nicht ist.

Ungewiss auch, ob Riesters Beteuerungen, dass in zwei Jahren die Renten wieder mit den Nettolöhnen steigen, auf Dauer zu halten sind. Jede Steuerreform, die Arbeitnehmer entlastet, wird ihn in Bedrängnis bringen.

Doch ohne den Beistand der Union, auch das weiß der Minister, kann er sich an die Lohnbezogenheit der Rente nur um den Preis seiner eigenen Existenz heranwagen.

Allerdings macht einen die Erfahrung ein wenig misstrauisch, ob der vereinte Sachverstand und Mut der Parteien wirklich gute Ergebnisse zeitigt. Die meisten wesentlichen Rentenreformen der Vergangenheit wurden im parteienübergreifenden Konsens ausbaldowert

zuletzt wurde der Nation 1992 mitgeteilt, nun sei die Alterssicherung mindestens für zwei Generationen zukunftsfest. Das Ergebnis ist bekannt. Am Ende des Jahrzehnts reicht die Einigkeit immerhin so weit, um mit einer Lebenslüge aufzuräumen: dass die Rente sicher sei. Das lässt hoffen, ein Konzept ist es noch nicht.