Siegt die Geldgier der Aktionäre? - mit dieser Schlagzeile buhlte vor einigen Tagen die Bild-Zeitung um die Aufmerksamkeit der Kiosk-Kunden. Der Anlass: die Schlacht um die feindliche Übernahme der Mannesmann AG. Wieder einmal, so erscheint es nicht nur den Lesern des Boulevardblattes, zeigt sich: An der Börse zählt nur der Profit, da ist kein Platz für soziale oder ethische Rührseligkeiten. Stimmt, was in der Bild-Zeitung steht?

Wahrscheinlich meistens. Aber nicht immer. Eine Gruppe von Investmentfonds, die ihr Kapital anhand ökologischer und sozialer Kriterien anlegen, belegt: Ein gutes Gewissen kann sich an der Börse auszahlen. Mit knallhartem Profit.

"Unternehmen, die mit Ressourcen schonend umgehen, haben meist ein besseres Management", meint David Heimhofer, der den Swissca Green Invest, einen so genannten Ökofonds, vertreibt. Anleger, die vor einem Jahr 10 000 Mark in diese Grün-Anlage gesteckt haben, verbuchen heute einen stattlichen Gewinn von 2482 Mark. Bestätigt wird das Fondskonzept vom Hamburger Umweltinstitut (HUI).

In seinem jüngsten Ranking der Chemiebranche stellte das Institut fest: Im Fünfjahresvergleich schneiden sechs der nach Umweltmaßstäben führenden Unternehmen deutlich besser ab als die in der Studie benannten Ökomuffel.

Zwar hinkt der Vergleich etwas, da die Unternehmen nicht aus derselben Branche sind, trotzdem ist der Trend erkennbar. Wo Geld erfolgreich in bestimmte Börsensegmente fließt, sind auch schnell spezielle Kursbarometer für die Anleger zur Stelle.

Die strengen Regeln der alten Ökofonds gelten nicht mehr

Gleich zwei Aktienindizes haben die Umwelt zum Kriterium gemacht. Nachdem der 1997 aufgelegte Natur-Aktien-Index (Nax) aus 20 Umweltaktien zwischenzeitlich sogar das globale Kursbarometer der Investmentexperten von Morgan Stanley, den MSCI-Weltindex, geschlagen hat, zogen die Amerikaner nach. Seit diesem September gibt das Verlagshaus Dow Jones einen an Nachhaltigkeit (sustainability) orientierten Index, den DJSGI, heraus. Er enthält 225 der 2000 größten Aktiengesellschaften der Welt, die in ihrer Branche jeweils die vordersten Plätze einnehmen - gemessen an ihren Bemühungen um nachhaltige Wertsteigerung.