Die klaffende Lücke zwischen Schein und Sein zu schließen war der Auftrag der russischen imetsch mejker (image maker) beim OSZE-Gipfel in Istanbul. Sie lieferten ein Bravourstück. Boris Jelzin war im Kreise von Europas Großen in Bärenlaune, wischte alle Anwürfe wegen Tschetschenien eindrucksvoll vom Tisch und ließ Frankreichs Chirac samt Deutschlands Schröder nach einer Begegnung zwischen Tür und Angel stehen, um geschäftig zum Flugzeug zu eilen. Der Aufheller des Präsidenten ließ nicht eher nach, bis die Flugzeugtüren geschlossen waren.

Diese Mischung aus Grandezza und Capriccio sah einer "Großmacht" täuschend ähnlich. Und so funkten die begeisterten russischen Fernsehjournalisten "den Sieg" heim nach Moskau. Während die imetsch mejker des Präsidenten auf ihren Erfolg anstießen, wurde in Istanbul Russlands Niederlage besiegelt. Zwei kaukasische Präsidenten und die Türkei unterschrieben - arrangiert von den USA - den Bauvertrag für eine Ölpipeline vom Kaspischen Meer, die Russland bewusst umgeht. In Moskau nahm davon kaum jemand Notiz.

Hier fiebert man dem Besuch des weißrussischen Präsidenten entgegen, der diese Woche den x-ten Unionsvertrag mit Russland unterzeichnen will. Freund Lukaschenko hat in Istanbul den Tschetschenienkrieg verteidigt. Dass er der Einzige war, erklärt, warum Russlands Führung imetsch mejker braucht.