Glück, sagt der Volksmund, hat nur der Tüchtige. Ob er wirklich tüchtig ist, muss der neue Bundesbauminister Reinhardt Klimmt noch beweisen. Glück jedenfalls hat er schon mal. Ihm dürfte es nämlich - nach nur zweimonatiger Amtszeit und ohne viel eigenes Zutun - gelingen, was seit mehr als zehn Jahren und vielen Anläufen immer wieder gescheitert ist: eine Wohngeldreform, das heißt vor allem eine Erhöhung des Wohngeldes.

Auf den Weg gebracht hat die noch sein Vorgänger Franz Müntefering - nach einigem Drängen der Grünen. "Er musste ein wenig zum Jagen getragen werden", erinnert sich Michael Vesper, der von der Ökopartei gestellte Bauminister in Düsseldorf. Für Vesper aber stand eines fest: "Wenn wir dieses Wahlversprechen nicht halten, ist es zappenduster." Geradezu gebetsmühlenartig hatten Sozialdemokraten und Grüne schließlich immer wieder von der liberal-konservativen Vorgängerregierung eine Erhöhung des Wohngeldes eingefordert. Denn die hatte sowohl die für das Wohngeld maximal anrechenbare Miete als auch die Einkommensgrenzen seit 1990 eingefroren. Seither jedoch sind die Mieten um gut 30 Prozent gestiegen. Die Folge: Trotz höherer Mieten erhalten viele Haushalte inzwischen entweder kein oder nur mehr ein deutlich geringeres Wohngeld als vor zehn Jahren - für den Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen schlichtweg "ein wohnungspolitischer Skandal".

So hatte eine vierköpfige Familie mit einem anrechenbaren Einkommen von 2450 Mark und einer Gesamtmietbelastung von 1000 Mark 1990 noch Anspruch auf 215 Mark Wohngeld. Das ist - eine dem Durchschnitt entsprechende Miet- und Einkommenssteigerung unterstellt - inzwischen auf null gesunken. Von dem Gehaltsplus von 650 Mark bleiben der Familie deshalb nur 100 Mark zusätzlich zum Leben, der Rest wird für die Miete gebraucht.

"Ganz oben auf der Agenda", hatte Gerhard Schröder vor der Wahl versprochen, sollte im Falle eines Wahlsieges das Thema für die Sozialdemokraten rangieren. Und auch die Grünen versprachen, das Problem unverzüglich anzugehen.

Was die rot-grüne Regierung inzwischen verabschiedet hat, ist allerdings nur eine abgespeckte Version der noch zu Oppositionszeiten von Sozialdemokraten und Grünen geforderten Reform. Drei Milliarden Mark mehr sollten es ursprünglich sein, und zwar schon von spätestens Mitte 1999 an. Vorgesehen ist nun, das Wohngeld um 1,4 Milliarden Mark anzuheben. Und das auch erst ab dem Jahr 2001.

Das ist zwar spät, aber immerhin rechtzeitig genug, um vor der nächsten Bundestagswahl bei einkommensschwächeren Mietern - darunter nicht wenige Ruheständler - zu punkten: Für ein Rentnerehepaar mit einem Einkommen von 1828 Mark beispielsweise, so hat der Deutsche Mieterbund ausgerechnet, würde sich bei einer Miete von rund 600 Mark das Wohngeld von derzeit 66 Mark auf immerhin 121 Mark nahezu verdoppeln. Die geringere Anpassung der Renten wäre damit mehr als kompensiert. Und eine Familie mit zwei Kindern und 4142 Mark erhielte statt 46 Mark immerhin 187 Mark monatlich.

Die Last der Reform sollen Länder und Gemeinden tragen