Es kann lange dauern, bis Gisela Anton zufrieden ist. Seit einer Dreiviertelstunde schraubt die Erlanger Professorin für Experimentalphysik an einem Versuchsaufbau herum. Morgen früh um acht will sie ihren Studenten die Beugung eines Lichtstrahls an einer Lochblende vorführen. Dieser Laser ist ihr zu "mickrig", jene Linse bündelt das Licht nicht passgenau. Doch sie gibt nicht auf. "Auch wenn ich den Effekt nur für eine Minute zeige - die Studenten müssen ihn einmal deutlich mit eigenen Augen sehen."

Für ihr hartnäckiges und erfolgreiches Arbeiten wurde Gisela Anton vor fünf Jahren mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis ausgezeichnet, dem mit drei Millionen Mark höchst dotierten deutschen Forschungspreis. Um herauszufinden, "was die Welt im Innersten zusammenhält", erforscht die 44-Jährige, in welcher Wechselwirkung die Elementarteilchen miteinander stehen.

"Der Preis war ein Glücksfall", wertet Gisela Anton den Geldregen heute. Ihre Zukunft war damals höchst unsicher, denn ihre Stelle im Physikalischen Institut der Bonner Universität, wo sie studiert, promoviert und sich habilitiert hatte, lief aus. Da kam die Ehrung gerade recht. Nach vier Bewerbungen innerhalb Deutschlands erhielt sie vier Zusagen. Am Ende entschied sie sich für die C-4-Professur der Universität Erlangen-Nürnberg.

Das Land Bayern hatte das Nachwuchstalent unter anderem mit weiteren zwei Millionen Mark für ihre Forschung gelockt.

Als Lehrstuhlinhaberin will sie im deutschen Süden "etwas bewegen", nicht bloß im wissenschaftlichen Bereich, sondern auch in der Gesellschaft. Oft ist sie daher an Gymnasien anzutreffen. Auf Werbetour quasi, um Schüler wieder mehr für Physik und andere Naturwissenschaften zu interessieren. Gisela Anton macht eine Mischung aus Technikfeindlichkeit und mangelndem öffentlichen Engagement der Physiker dafür verantwortlich, dass Physik-Leistungskurse rar werden. "Wir reden mit den Kindern über die Griechen und die Römer", klagt sie, "aber nicht darüber, wie ein Fernseher funktioniert." Um aber Kritik an der durchtechnisierten Welt üben zu können, müsse man sie erst verstehen.

Eigentlich, sagt sie, sollte man den Kindern schon in der Grundschule erklären, warum der Himmel blau und das Gras grün ist. "Wenn ein Schüler Physik abgewählt hat, ist alles zu spät."

Ihr eigenes Interesse an der Technik wurde früh geweckt. Als Kind zerlegte sie alte Radios, als Jugendliche reparierte sie den Fiat 500 ihres ältesten Bruders. "Ich musste das Getriebe einfach einmal in den Händen halten." Mit 20 siegt sie im Bundeswettbewerb "Jugend forscht" mit dem Thema Stabile Schwimmlagen homogener Körper mit quadratischem Querschnitt. Im heimischen Waschbecken hat die 20-Jährige beobachtet, dass ein quaderförmiger Holzbalken mit einem bestimmten Gewicht im Wasser auf einer Kante schwimmt - und das physikalische Phänomen mathematisch beweisen können.