Hitler und die Schoah sind nicht an allem schuld. Jedenfalls nicht an dem, was ich in diesem Herbst erlebte. Am Samstag, dem 4. September, bin ich in der Düsseldorfer Fußgängerzone Gast der populären WDR-Hörfunksendung Hallo Ü-Wagen. Thema: "Jüdisch sein in Deutschland".

Christen und Juden debattieren redlich über eine bessere gemeinsame Zukunft.

Am Ende der Sendung mischt sich die Moderatorin, Frau Münch, unters Publikum.

Sie fragt einen beliebigen Mann nach seiner Meinung. Die kommt prompt: "Juden können keine Deutschen sein! Das ist eine Mafia! Das sind Kriminelle ..." et cetera. So weit, so schlecht. Idioten gibt es allenthalben. In Düsseldorf ebenso wie in Dubai oder Tel Aviv.

Also fragt Frau Münch die Nachbarn des Judenverächters nach ihrer Meinung.

Sie haben keine. Zumindest sind sie zu ängstlich, diese zu äußern. Tenor: "Dazu möchte ich nichts sagen." Wovor fürchten sie sich? Die Gestapo fällt heute als Alibi für mangelnde Zivilcourage und Gleichgültigkeit aus. Es erfordert keinen Mut mehr, Unmenschlichkeit und Vorurteilen zu widersprechen.

Dennoch mangelt es an Solidarität.