Zumindest an Havanna mochten sie noch glauben. Die alte Stadt lag da, als habe sie in einer Zeitfalte die Jahrzehnte überdauert, sie zerfiel, war am Ende, ein unwirtlicher Ort, an dem alles möglich schien. Deshalb hatten sich die sechs Architekten aus Wien, Los Angeles und Barcelona aufgemacht: Für sie war Havanna ein Labor, eine Was-passiert-dann-Stadt.

Damals vor fünf Jahren trafen sie sich hier das erste Mal - international umschwärmte Baukünstler wie Thom Mayne, Lebbeus Woods und Wolf Prix, allesamt Aufstörer der Architektenszene. Niemand auf Kuba hatte sie um Rat gebeten, niemand bezahlte sie - das war der Reiz dieses Treffens. Gemeinsam wollten sie darüber nachdenken, ob sich eine gemeinsame Utopie noch behaupten ließe.

Und warum man die Stadt, diese Ruine, nicht komplett abräumen sollte, um etwas ganz Neues zu wagen. Ein Selbstversuch sollte es werden - nicht um zu bauen, waren sie gekommen, sondern um zu phantasieren. Doch erst einmal sahen sie sich um. Und für den Moment waren sie sprachlos.

Im dicht besiedelten Zentrum mit seinen 400-jährigen Palästen und üppig geschmückten Handelshäusern der Zuckeraristokratie, in diesem dichten Geflecht, das die Unesco 1983 zum Weltkulturerbe erklärt hatte - hier erlebten die sechs Architekten, dass es Architektur für ein städtisches Leben gar nicht braucht. Die Gesichter der Häuser waren kaum noch zu erkennen, innen hatten die Leute Zwischendecken und Zwischenwände eingezogen, um zusätzliche Räume abzuknapsen. Die Enge setzte sich über jede Gestaltung hinweg. Überall Musik und Menschen, auch auf den Straßen, wo sie saßen, plauderten, warteten auf irgendwas. Eine Stadt, die lebte, auch wenn sie starb.

Was konnten die Baukünstler tun? Sollten sie helfen? "Es gibt doch nur zwei Möglichkeiten", sagte Wolf Prix, Feuerkopf der Wiener Architektengruppe Coop Himmelblau. "Entweder Havanna bleibt, wie es ist, dann wird es in zehn bis zwanzig Jahren zerstört sein. Oder das große Geld kommt, dann wird es in ein, zwei Jahren zerstört sein." An einen dritten Weg mochte er nicht glauben, er scheute den schnellen Entwurf.

Seine Kollegen haderten weniger mit sich und der Stadt - ein paar kühne Ideen waren rasch geboren, wuchsen sich aus zu Plänen und Modellen und fanden sich später zusammen zu einer Ausstellung. In Los Angeles wurde sie gezeigt, in Wien und Hannover. Und jetzt endlich, wo das Museum für Angewandte Kunst (MAK) in Wien die nötigen 100 000 Mark aufbringen konnte, ist sie auch in Havanna zu sehen.

Noch einmal sind die Architekten angereist, vermitteln wollen sie und miterleben, wie ihre Theoriegebilde auf die Gegenwart prallen. Als Erste kommen drei Lokaljournalistinnen, die über die Ausstellung berichten sollen.