Darüber sind sich alle einig: Die deutsche Juristenausbildung muss sich ändern. Nur in einem Punkt herrscht seit langem unter Professoren und Politikern, Richtern wie Rechtsanwälten noch größerer Konsens: dass auch in Zukunft alles beim Alten bleibt. Diese Gewissheit ist dank eines neuen Studienmodells, das die Justizminister nun offiziell vorgelegt haben, ins Wanken geraten. "Noch nie war man einer Reform so nahe", sagt Kai Sonntag, Sprecher des federführenden Ministeriums in Baden-Württemberg.

Da lernen Jurastudenten Jahre ihres Lebens Dinge, die viele von ihnen später nicht brauchen. Damit sie ihr Examen bestehen, besuchen sie einen Privatpauker, Repetitor genannt, und bezahlen monatlich rund 200 Mark. Am Ende der Ausbildung haben die Jungjuristen die "Befähigung zum Richteramt" - und müssen sich fast alle mit dem Anwaltsjob begnügen, auf den sie kaum vorbereitet sind. Diese Misere wollen die Justizminister beenden

Optimisten hoffen auf ein neues Jurastudium ab 2001.

Eigentlich sollten sich die Politiker nur Gedanken zur Reform des Referendariats machen. Rund eine Milliarde Mark zahlt der Staat den Azubis im öffentlichen Dienst pro Jahr. Hier wollte man einsparen. Zudem hofften die Reformer die Wartezeiten auf das Referendariat - mitunter mehr als ein Jahr - zu verkürzen. Bei einem Gespräch in engster Runde wurde im vergangenen Jahr aus einer vorsichtigen Reform ein radikaler Schnitt. Die über 100 Jahre alte Spaltung zwischen Studium und Praxis wird aufgehoben, das zweijährige Referendariat abgeschafft. Stattdessen sollen die jungen Rechtskundler bereits im Studium in zwei Praxissemestern ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Pro forma bleibt das traditionelle Ziel der Rechtsausbildung damit unangetastet: der Einheitsjurist, der Recht sprechen, anklagen und verteidigen kann. Weil die beiden Praxissemester jedoch nicht ausreichen, wird sich für alle, die Anwalt, Richter oder Staatsanwalt werden wollen, nach Studium und Examen noch eine Trainee-Phase jeweils in einer Kanzlei oder bei Gericht anschließen.

Zugleich schlagen die Minister vor, das Studium umzukrempeln.

Massenvorlesungen wird es nur noch in wenigen Fächern im Grundstudium geben.