Wenn Showbiz und Jazz sich begatten, dann wartet jedermann gespannt auf den Bastard. Bei Eartha Kitt und Joachim Kühn, bei Frank Sinatra und Count Basie jauchzten alle: Oh, what a wonderful baby! Allerliebst! Und jetzt Hildegard Knef und Till Brönner. Die alte Dame und der Frischling. Brönner wird hierzulande wie ein Christus der Trompete gefeiert. So, als hätte man in Deutschland bisher nur auf Grashalmen geblasen. Nie gehört von Herbert Joos, von Ack van Rooyen? Aber es stimmt, Brönner, Vertreter der Gel-Generation, Mischung aus Joop und Cary Grant, hat es drauf. Er spielt wunderleicht. Seine Improvisationen fliegen dahin wie Nachtigallenfürze. Und er weiß, wie man orchestriert.

In seinen Partituren winken Don Sebesky und Claus Ogerman. Schön zu hören.

Vielleicht ein bißchen altmodisch. Aber Brönner lässt auch scratchen. Alles sehr hauptstadtmäßig, urbanesk. Der Schlagzeuger Wolfgang Haffner - sonst heizt er Albert Mangelsdorff ein - swingt lässig. Die Pianisten Chastenier und Rautenberg perlen und grooven. Das Blech fetzt, und die Streicher sind wohl gesetzt von Helmut Brandt, einst ein bedeutender Saxophonist des deutschen Nachkriegs-Jazz, der unter den Regenschirm des Rias-Tanzorchesters flüchtete.

Aber es geht um die Knef. Sie steht und fällt mit ihren Texten. Und die sind sehr gut, weil sie auch Lebensberatung sind. Von ihnen geht eine healing power aus. "Du hast gebetet, doch im falschen Dom." Aber so sind wir alle, die Erdentölpel. Und Hildegard Knef ist eine große Malerin dieses Desasters.

Dabei diese herbe Güte! Das ist knefisch - und einmalig. Davor sind sämtliche Hüte zu ziehen.

Der Gesang der heiligen Hildegard von Berlin ist eher ein Schicksalsbellen.

Intonationswackeln inbegriffen. Der singende Kummerkasten. Sie wirkt wie eine Frau, die man in der Not mitten in der Nacht anrufen kann und die sagt: "Komm her, Kleena, ick setz schon ma Kaffe uff."