Seit Jahren spukt der Computerhändler Escom als Gespenst an der Börse.

Die Firma ist pleite, aber ihre Aktien sind heiß begehrt: In den vergangenen Tagen wechselten einige Millionen Escom-Aktien den Besitzer. Dabei ist von der Handelskette, die einst mehr als 4000 Mitarbeiter in ganz Europa beschäftigte, buchstäblich nichts mehr übrig. Keine Läden, keine Maschinen, kein Lager, nicht mal ein Radiergummi gehört noch der bankrotten Firma. Die einzige Hinterlassenschaft: eine halbe Milliarde Mark Schulden und die Notierung an der Börse. Doch obwohl hier partout nichts zu holen zu sein scheint, plant eine Hamburger Investorengruppe, dem toten Unternehmen neues Leben einzuhauchen - und sorgt damit für Aufregung am Aktienmarkt. Unter Kleinanlegern geht die Saga um von dahinsiechenden Aktiengesellschaften, mit denen man über Nacht reich werden kann.

Tatsächlich können in Firmen, deren Geschäft daniederliegt, die aber noch an der Börse gehandelt werden, beträchtliche Werte schlummern. Ihre Börsennotierung und die dazugehörenden Aktien werden als so genannter Mantel benutzt, um darin ein neues Geschäft einzukleiden oder um Steuerschlupflöcher zu nutzen. Kleinanleger versuchen, als Trittbrettfahrer auf dieses Geschäft aufzuspringen - mit der Gefahr, böse zu stürzen.

"Was wir vorhaben, ist

ungewöhnlich, aber genial"

So hieß es im Fall Escom bis vor kurzem noch, es würden nur Gerüchte gestreut, um den Kurs der wertlosen Aktien in die Höhe zu treiben. Doch Mitte vergangener Woche eröffnete Escom-Konkursverwalter Klaus Köhle plötzlich, es solle ein Not-Vorstand gebildet werden, um erstmals nach Jahren wieder eine Hauptversammlung der Aktionäre einzuberufen. Nach dieser Meldung schnellte der Escom-Kurs auf das 700-Fache seines diesjährigen Tiefststandes.

Hintergrund: Der Hamburger Vermögensverwalter Bernd Menzel hat einen Investorenkreis um sich geschart, mit dem er den toten Laden übernehmen will.