Berlin

Am 7. Dezember 1989 fand die konstituierende Sitzung des Zentralen Runden Tisches in Berlin statt. Er tagte bis zur Volkskammerwahl am 18.März 1990, drei Monate also. Die Volkskammer brachte es auf sechseinhalb Monate. Beide haben sich selbst aufgelöst, um einem Besseren Platz zu machen, der Runde Tisch der parlamentarischen Demokratie, die Volkskammer der gesamtdeutschen parlamentarischen Demokratie.

Der Runde Tisch also bloß eine Institution des Übergangs? Das sehen einige Bürgerrechtler, aber auch viele in der PDS ganz anders. Der Runde Tisch sei eine Alternative zur parlamentarischen Parteiendemokratie gewesen, nicht konfrontativ, sondern konsensuell. Und die Verfassung des Runden Tisches sei das Erbe der Revolution. Um beides sei die DDR-Bevölkerung betrogen worden durch den Westen, der ihnen die Einheit übergestülpt habe. Das sind zwei Legenden, die sich widerlegen lassen.

Konsensuell ging es tatsächlich an manchen der kleinen Runden Tische im Lande zu, wenn sie in einem Machtvakuum agieren konnten. Der Berliner Runde Tisch dagegen war von Anfang an und bis zuletzt ein Machtkampf.

Am 24. November 1989 wandten sich sieben oppositionelle Gruppen - Demokratischer Aufbruch, Demokratie jetzt, Grüne Partei, Initiative für Frieden und Menschenrechte, Neues Forum und die Sozialdemokratische Partei (SDP) - an die katholische Bischofskonferenz und den Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR mit der Bitte, die fünf Parteien der Volkskammer für den 7. Dezember, 14 Uhr, in das kirchliche Bonhoeffer-Haus zu einem Runden Tisch einzuladen. Die Kirchen sollten die technische Durchführung übernehmen.

Vorgeschlagen wurde eine paritätische Besetzung. Der Runde Tisch sei entscheidend für den Demokratisierungsprozess im Lande und solle dem Zweck "der Vorbereitung freier Wahlen durch ein neues Wahlgesetz und einer Verfassungsreform" dienen.

Die "fünf in der Volkskammer vertretenen Parteien" waren neben der SED zwei Parteien, die sich die SED seinerzeit unterwarf, weil sie aus einer eigenständigen Tradition stammten, die CDU und die Liberalen (LDPD), und zwei Parteien, die sich die SED 1947 selbst gegründet hatte: die Bauernpartei (DBD) und die Nationaldemokratische Partei (NDPD, für "bekehrte" Nazis).