"And when the radical priest comes to get me released / We wuz all on the cover of Newsweek"

Als Paul Simon diese Zeilen sang, 1973, glaubte man noch, dass eine echte Nachricht - ein Priester, der einen zu Unrecht inhaftierten Jungen aus dem Gefängnis holt - bei Newsweek auf den Titel kommen konnte. Anders heute.

Angeführt von den verbandelten Medien-, Film-, Musik- und Werbeindustrien, ist der gegenwärtige Diskurs in den Vereinigten Staaten auf Sex, Prominente, Reichtum und Image fixiert - darauf, wer und was hot ist.

Daher ist es bemerkenswert, dass Newsweek in diesem Herbst zweimal voluminöse Sachbücher auf den Titel gebracht hat. Gut, das eine, Dutch, Edmund Morris' viel verspottete Biografie Ronald Reagans, gestattete Newsweek, seinen Hollywood-Neigungen zu frönen und sich gleichzeitig dazu zu beglückwünschen, ein großes Thema angepackt zu haben. Tatsächlich erinnerte das spritzige Titelfoto Reagans an die große Zeit seiner Präsidentschaft in den achtziger Jahren, als der ehemalige Filmstar alles tat, um Politik und Showbusiness zu vermählen.

Das andere Buch, das den Titel von Newsweek diesen Herbst zierte, hat allerdings ein ziemlich anderes Anliegen. Stiffed: The Betrayal of the American Man ("Verarscht: Der Betrug am amerikanischen Mann") heißt das Werk der Journalistin Susan Faludi, und es greift genau die Unterhaltungskultur an, für die Reagan und im Übrigen auch Newsweek stehen (wobei das Coverfoto einer schick frisierten, grinsenden Faludi eine solche Blasphemie natürlich nicht nahe legte).

Faludis Buch beklagt, dass die allgegenwärtige Verehrung von Prominenz und Kommerz in Amerika gesellschaftliche Grundwerte wie sinnvolle Arbeit und dauerhafte Gemeinschaften ausgehöhlt habe. Stattdessen sei eine Welt der Schönheitswettbewerbe errichtet worden, in der es vor allem darum geht, wer den besten Körper, das dickste Bankkonto, den schnellsten Wagen oder Computer hat. Amerikaner wie auch Amerikanerinnen haben, so Faludi, unter diesem Wandel gelitten, aber besonders Männer seien beschädigt, da ihr Selbstbild traditionell weniger darin wurzele, wie sie aussehen, als was für eine Arbeit sie leisten.

Stiffed hat für Gesprächsstoff gesorgt. Die Aufmerksamkeit verdankt sich allerdings, wie es scheint, weniger den Vorzügen von Faludis Buch als vielmehr ihrem Status als feministischer Superstar. Stiffed zeigt rückhaltloses Verständnis für das Elend der Männer, und den meisten Journalisten fällt es schwer, diese Haltung mit dem Image der Autorin zur Deckung zu bringen.