Ich heiße Claudine. Ich bin zehn Jahre alt. Ich lebe mit meinen Geschwistern und mit meiner Mutter in Byumba. Das liegt in Ruanda. An unserem Haus steht auf Französisch: Dieses Haus ist ein Geschenk der Leser der deutschen Wochenzeitung DIE ZEIT. Ich kann das schon lesen, denn in der Schule lernen wir Französisch.

Eigentlich ist Providence nicht meine richtige Mutter. Und von meinen zehn Geschwistern ist nur Vestine eine richtige Schwester. Aber das ist auch bei den anderen Kindern hier im Dorf so. Und Mama, ich meine: Providence, kann wirklich gut kochen. Und sie singt wunderschön. Als ich klein war, war Krieg in Ruanda. Da lebten Vestine und ich noch in Kibungo. Eines Tages kamen Männer mit Macheten. Als ich aufwachte, war alles voll Blut. Auch mein Gesicht. Vestine packte mich, und wir liefen und liefen. Dann fand uns ein Mann und brachte uns ins Waisenhaus. Zu Providence.

Mit ihr kamen wir hierher, ins SOS-Kinderdorf. Am Anfang musste ich noch oft daran denken: wie Mama und Papa dalagen und sich nicht mehr bewegten.

Manchmal träumte ich von den Männern mit den Messern. Dann schrie ich mitten in der Nacht, und alle wurden wach. Aber jetzt kommen die Gespenster nur noch ganz selten.

Warum ich Geld brauche? Weil das Leben teuer ist (sagt Mama). Und weil wir hier im Kinderdorf auch eine Schule und einen Kindergarten und eine Krankenstation haben. Dahin kommen auch Leute von außerhalb, denen es nicht so gut geht wie uns. Alphonse zum Beispiel, er sitzt in der Schule neben mir: Er hat nie Schuhe an, auch in der Regenzeit nicht. Dabei muss er morgens eine Stunde laufen. Seine Eltern haben auch kein Geld für Hefte. Und sie geben ihm nichts zu essen mit. Deshalb lade ich Alphonse mittags immer zu uns ein. Ich möchte, dass es Alphonse und allen Kindern hier gut geht. Und dass nie wieder Krieg ist in Ruanda.

Hermann-Gmeiner-Fonds, Stichwort DIE ZEIT, Kontonummer 69 12 000 bei der Deutschen Bank München (Bankleitzahl 700 700 10)