Die Absicht von Verteidigungsminister Rudolf Scharping, aus der Bundeswehr eine Art "Unternehmen" zu machen, ist zwar kühn, aber nicht abwegig. Schon einmal hat sich ein SPD-Wehrminister darin versucht. Achtzehn Jahre ist es her, seit Hans Apel daran scheiterte. Seine Hauruckmethode hatte den Widerstand des Apparates gegen privatwirtschaftliches Denken mobilisiert, sodass der richtige Reformansatz wenig später vom Wendeherbst 1982 überrollt werden konnte. Nun will sich die Bundeswehr auf ihre militärischen Kernfähigkeiten beschränken und sich im Übrigen von der Privatwirtschaft managen lassen. Der aufwendige Fahrzeugpark der Truppe kann ebenso für Dritte genutzt werden, wie umgekehrt handelsübliches Gerät für eine Reihe militärischer Zwecke tauglich ist. Fast selbstverständlich, dass auch die komplexen Ausbildungseinrichtungen etwa der Luftwaffe künftig von der Industrie mitgenutzt werden. So werden die Kosten für die aufwendige Ausbildung in beiden Sektoren gesenkt. Der Vertrag, den Scharping jetzt mit der Industrie geschlossen hat, sieht dies und weit mehr vor. Die Unterzeichner, knapp drei Dutzend Unternehmen, gehören zur Spitze der deutschen Wirtschaft. Da wird man sich keinen Fehlschlag leisten können.

Dass diesmal auch der Verteidigungsapparat mitspielt, hat nicht nur mit den enormen Sparzwängen zu tun, sondern auch mit Scharping selbst. Als Verteidigungsminister hat er die Bundeswehr motiviert, sich der veränderten Lage zu stellen. Das signalisiert Unglaubliches: Irgendwann löst sich sogar der hartnäckigste Reformstau auf.