Der Diskussion über Zukunftsperspektiven droht durch die Hektik der Globalisierungsdebatte die Gefahr einer gedanklichen Kurzsichtigkeit. Das langfristige Problem, wie eine begrenzte natürliche Umwelt nachhaltig genutzt werden kann, ist nämlich von einer Lösung weit entfernt. Was bedeutet dies im Hinblick auf die Überlebensfähigkeit des Kapitalismus? Die klassischen Ökonomen von Adam Smith bis John Stuart Mill waren zutiefst davon überzeugt, dass die kapitalistische Entwicklung auf einen wachstumslosen Endpunkt hinläuft: den stationären Zustand. Unendliches Wachstum war ihnen gänzlich unvorstellbar.

Dieser Wachstumspessimismus wird meist auf die dramatische Unterschätzung des technischen Fortschritts zurückgeführt, hat aber noch eine weitere Dimension.

Wie der britische Wirtschaftshistoriker E. A. Wrigley betont, gingen die Klassiker bei ihren Analysen von einer "organischen", auf erneuerbaren Rohstoffen basierenden - also nachhaltigen - Wirtschaft aus. Sie sahen nicht die enormen Möglichkeiten des industriellen Kapitalismus, sondern eine agrarisch dominierte Wirtschaft, deren Hauptprobleme Bevölkerungswachstum und begrenzte Landflächen waren.

Eine solche Wirtschaft musste aus Sicht der Klassiker früher oder später an ihre Grenzen stoßen, und sie sahen diesem stationären Zustand mit Schrecken entgegen. Das Los der Masse der Bevölkerung, so zum Beispiel Adam Smith, sei "hart in einer stationären und erbärmlich in einer schrumpfenden Wirtschaft".

Unter den klassischen Nationalökonomen war es einzig John Stuart Mill, der dem stationären Zustand freudig entgegensah. Er meinte sogar, dass ein solcher Zustand Fortschritt bedeuten würde. Und 150 Jahre danach ist Mill einer der meistzitierten Autoren in der Ökologiedebatte.

Was oft unberücksichtigt bleibt, ist der Hintergrund des Millschen Optimismus. Für Joseph Schumpeter war Mill ein "evolutionärer Sozialist", der zwar keinen revolutionären Träumen nachhing, von der Reformfähigkeit der Gesellschaft aber zutiefst überzeugt war. Manche Autoren sehen in Mills stationärem Zustand die Vision einer postkapitalistischen Wirtschaft.

Ist aus Mills Vision der Schluss zu ziehen, dass ökologisch nachhaltiges Wirtschaften nur jenseits des Kapitalismus möglich ist? Oder ist es nicht vielmehr so, dass aktuelle ökologische Wachstumskritiker die Möglichkeiten des technischen Fortschritts ebenso unterschätzen wie die Anpassungsfähigkeit des Kapitalismus? Ist es nicht stets gelungen, Ressourcenengpässe durch technische Innovationen zu überwinden?