Noch während die Sonne untergeht, ballen sich schwarze Gewitterwolken drohend zusammen. Ein böiger Wind frischt auf, dann prasselt der Regen. Es wird feucht auf der Dachterrasse, und bald bin ich der einzige Gast. Mehr als eine Stunde zucken die Blitze und grollt der Donner über die nächtliche Stadt. Im Wasserdampf verschwindet die Kuppel von Sankt Peter und im Wechselspiel von Hell und Dunkel der Rotwein in der Flasche. Ich bin Nero, und Rom brennt.

Weiter im Norden kann man Konstantin spielen. Unbeeindruckt von 1700 Jahren, spannt sich die Milvische Brücke über den Tiber, und wie zur Kaiserzeit führt die Via Flaminia direttissima ins Herz der Stadt. "In diesem Zeichen wirst du siegen!", riefen die Legionäre und erhoben zum ersten Mal in der Geschichte das christliche Kreuz zum Feldzeichen. Sie gingen zu Fuß, ich nehme die Straßenbahn zur Piazza del Popolo.

Oben auf dem Palatin drücke ich mich durch eine Absperrung in jenen unterirdischen Gang, in dem Caligula, der maßlose Kaiser, von seiner eigenen Leibgarde ermordet wurde. 1959 Jahre danach sind die Gewölbe noch tadellos verfugt, hat der römische Zement nichts von seiner Haltbarkeit verloren. Nur der Blutfleck ist mittlerweile verschwunden.

Das Faszinosum Rom beginnt im Jahre null. Die Stadt zählt eine Million Einwohner und ist die größte und schönste der Welt. In Germanien baut man ebenerdige Hütten aus Lehm und Holz, Rom aber besteht aus gemauertem Stein oder gebrannten Ziegeln, und jedes öffentliche Gebäude hat eine farbige Marmorverblendung. Die Straßen sind gepflastert, die Mietshäuser (insulae) durchschnittlich 20 Meter und vier Stockwerke hoch. Wasserleitungen, auf kilometerlangen Aquädukten aus dem Apennin herangeführt, bringen alltäglich eine Milliarde Liter Frischwasser in die Stadt. Hinaus führt eine ausgetüftelte Kanalisation, deren größter Abwasserkanal, die Cloaca Maxima, noch heute ihre Funktion erfüllt.

Die Piazza Navona - laut wie zu Kaiser Augustus' Zeiten

Auf dem Kapitolshügel liegen altehrwürdige Tempel, auf dem Palatin - daher der Name - die prächtigen Paläste der Kaiser. Die Versammlungsorte der Bürgerschaft, die Foren, glänzen mit Schatten spendenden Säulengängen (portici) und kostbar ausgeschmückten Markthallen (basilicae). Berühmt sind der Badeluxus in den Thermen und die Möglichkeiten der Zerstreuung, ob im Theater, bei den Gladiatorenspielen oder beim Pferderennen. Rom, schrieb der Dichter Vergil, ragt über die anderen Städte des Erdkreises wie die Zypresse über niedrige Schlingpflanzen.

500 Jahre später bot sich Kaiser Constans II. bei einer Rom-Visite ein anderes, deprimierendes Bild. Der Tempel des ehemaligen Staatsgottes Jupiter lag in Trümmern, die Foren öde und wüst, zerfallen waren Bäder und Brunnen, im Amphitheater wuchs Gras, die Stadtmauern zerbröckelten, die Kaiserpaläste standen leer, und die Bevölkerungszahl betrug nicht einmal mehr 50 000 Einwohner.