Der ausländische Mitbürger? Der kommt nicht mit ins nächste Jahrtausend.

Der bleibt da, wo er hingehört: an das Ende dieses Jahrhunderts, eingewickelt in eine alte deutsche Lebenslüge.

Es mag ja sein, dass nur Gutes im Sinn hatte, wer sich diesen Begriff ausdachte. Irgendwann gegen Ende der siebziger Jahre muss das gewesen sein, als man einsah, dass die Bezeichnung Gastarbeiter nun wirklich nicht auf die Ausländer passte, die bei Siemens Kabel löteten, bei Thyssen Stahl kochten oder in der Kantine die Essenskübel schrubbten. Erstens lässt man Gäste nicht so schuften, zweitens hatten diese Arbeiter, anders als Gäste, gar nicht die Absicht, ihren Aufenthalt zu beenden. Sie waren Einwanderer geworden.

Deutschland aber wollte partout kein Einwanderungsland sein. Also log man sich weiter in die Tasche und machte aus Gastarbeitern ausländische Mitbürger.

Weckt dieser Begriff bei Ihnen auch dieses karitative Gefühl? Dieses Bedürfnis, dem Ausländer einmal im Jahr den Katzentisch zu decken oder sich bei der "Woche des ausländischen Mitbürgers" türkischen HipHop zuzumuten?

Sehen Sie, so fürsorglich kann Ausgrenzung klingen. Die ausländischen Mitbürger leben hier, zahlen hier Steuern und bilden sich in der U-Bahn zusammen mit den Deutschen ihre Meinung

aber sie sind keine Vollbürger, keine Citoyens, haben keine Bürgerrechte. Keine vollständigen Individuen und Subjekte also, sondern Existenzen, die man entweder ablehnt, duldet, bemitleidet oder umsorgt. In einer pragmatisch orientierten Einwanderungsgesellschaft ist keine dieser vier Optionen tauglich.