Der kategorische Imperativ von Immanuel Kant lautet (in einer seiner verschiedenen Versionen): Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.

Dieser Satz ist der Versuch, einen Maßstab für gerechtes Handeln zu finden.

Der Mensch soll aus sich heraustreten und sich in andere Menschen hineinversetzen dann weiß er von selbst, wie er sich verhalten muss. Nichts anderes sagt das Sprichwort: Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg auch keinem andern zu. Dieses Prinzip ist die Grundlage jeglichen Rechtssystems. Der Haken: Es geht von einem optimistischen Menschen aus. Etwa gegenüber dem Selbstmörder, der sich und andere umbringen will, funktioniert es nicht.

WINFRIED HASSEMER, Richter des Bundesverfassungsgerichts und Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie