Auf dem ersten Blick ist die Sache klar. Hier haben wir Gerhard Löwenthal, den standhaften Rechtsaußen der bundesdeutschen Bildschirmpublizistik, dort Karl Eduard von Schnitzler, den beinharten Libero der DDR-Propaganda, hier das Haupt des ZDF-Magazins, dort den Kopf des Schwarzen Kanals. Gegenspieler, fürwahr, das waren und sind sie bis heute geblieben, der unversöhnliche Anti- und der sture Erzkommunist. Und so müssen es sich die beiden TV-Veteranen auch gefallen lassen, dass man ihre an Brüchen reichen Viten gnadenlos zusammenschnürt und in eine (Taschenbuch-)Reihe mit so bizarren Pop-Antagonismen wie Lady Di und Queen Elizabeth oder den Stones und den Beatles stellt.

Damit der Schmach noch nicht genug, denn über Leben und Werk dieser zwei Frontschweine des Kalten Krieges schreibt zu ihrem Unglück auch noch eine Frau. Die heißt Kathrin Gerlof, ist Jahrgang 1962 und hat nicht nur sämtliche Schnitzler-&-Löwenthal-Elaborate studiert, sondern auch ihren Theweleit gelesen. Was kaum Erwähnung finden müsste, wenn es nicht dazu führen würde, dass in ihrem Buch die im Titel annoncierten Kampflinien vollends verschwimmen. Statt die beiden ehernen Weltanschauungskrieger noch einmal in eine längst geschlagene Schlacht zu jagen, stellt sich die Autorin höchstselbst und nassforsch gegen die zwei in Hass ergrauten Patriarchen.

Über 150 Seiten fungiert Gerlof als das aufrecht-weibliche Lenor-Gewissen, das ihren beiden Helden offenbar nie erschien. Wie auch, wo sie vermutlich keine einzige Socke je selber wuschen und die Frauen, die es für sie taten, egal, ob Mutter oder Gattin, wie Kathrin Gerlof moniert, in ihren autobiografischen Schriften bis zur Unkenntlichkeit marginalisierten. Und so stehen der Leser und die Leserin mit schöner Regelmäßigkeit vor solch launigen Einschüben wie: "Haben sich die beiden jungen Männer - Karl-Eduard von Schnitzler und Gerhard Löwenthal - nicht vor dem Schlafengehen gefragt, was dieser Blödsinn eigentlich soll? Wie komme ich dazu, nach einem Weltkrieg schon wieder Krieg zu spielen? Wäre es nicht besser, wenn ich morgen einfach mal im Wald Bäume zählen gehe?"

Sicher, aus der Sicht von heute, mit dem Wissen um die Endlichkeit von Mauer und Realsozialismus, gehen einem solche Fragen ebenso leicht durch den Kopf wie über die Lippen. Und so schön sich Gerlofs gekonnt und virtuos miteinander verflochtene Doppelbiografie auch liest, so problematisch bleibt ihr Ansatz. Schnitzler und Löwenthal werden uns als zwei streitlustige kurzbehoste Knaben präsentiert. Das zerrissene Vaterland ist für Karl-Eduard und Gerhard lediglich der große Bolzplatz, auf dem sie sich ihrer Männlichkeit vergewissern können, der Kalte Krieg nur ein Spiel, in dessen Verlauf beide einander immer ähnlicher werden, weil sie nach denselben Regeln treten.

Dabei gerät leider in Vergessenheit, dass in diesem Match nicht zuletzt zwei divergierende Heilslehren aufeinander stießen. "Männer", hält Gerlof dagegen, "geben mit den Zeugnissen ihrer Zeit fast immer auch Zeugnis von ihrer eigenen Bedeutung in dieser Zeit ab. Sie reflektieren, bevor sie beschreiben, und sie hinterlassen gerne den Eindruck, ohne sie hätte das Ereignis erst gar nicht stattgefunden." Das mag man als Memoirenleser bedauern, aber es entbindet nicht von der Pflicht, selbst das Tun vermeintlicher Unpersonen, "Männer" eingeschlossen, im historischen Kontext zu sehen. Für den jüdischen Fabrikantensohn Löwenthal war der Faschismus physisch ebenso bedrohlich wie für den mutig im Widerstand agierenden Adelsspross Schnitzler. Hautnah hatten beide miterleben müssen, wie schnell sich ein mörderischer Geist über eine bis dato harmlos dahinplätschernde Zeit zu werfen vermag. Fortan galt es also, ihr gnadenlos den eigenen Stempel aufzudrücken.

Schnitzler und Löwenthal widmeten sich dieser Aufgabe mit an Besessenheit grenzender Verve und sahen alsbald im Antlitz des jeweils anderen die braune Bedrohung von einst. So konditioniert, zählt man nicht Bäume, sondern kämpft.

Selbst auf die Gefahr hin, am Ende nur noch als einsamer Trottel gegen Windmühlen zu rennen.