Hinter der Fassade lauert die Schönheit der Schöpfung

American Beauty folgt am Ende einer Menge Personen, hält sie bewundernswert zusammen, meditiert auf verschiedenen Ebenen über Reiz und Fluch der Oberfläche und bleibt dabei immer gut gelaunt. Das ist erstaunlich und begeisternd, und in den USA sind schon so viele Besucher enthusiasmiert aus diesem Film gekommen, dass er als größter Überraschungserfolg des vergangenen Jahres gilt neben dem Blair Witch Project und The Sixth Sense. Wahrscheinlich wird er bei der Oscar-Verleihung im März die meisten Preise gewinnen (neben Sam Mendes haben wenigstens Kevin Spacey und Annette Bening wirklich einen Oscar verdient). Aber bevor auch wir von einer Welle der Sympathie davongetragen werden, noch ein kleines Stirnrunzeln über das vorgebliche "Leben hinter den Dingen".

Hinter den Dingen geht es noch einmal um die Schönheit. Ricky beschwört sie, fast zu Tränen gerührt, als er Jane ein Video vorführt; es zeigt eine Plastiktüte im Wind. "Manchmal ist die Welt so voller Schönheit, dass ich es kaum ertragen kann", sagt er und spürt eine "unglaublich gütige Kraft" in allem Seienden. Lester, anlässlich seines Todes, nimmt den Gedanken im Off wieder auf und behauptet nun selbst, wie aus heiterem Himmel, auf der Erde von lauter Schönheit umgeben zu sein und Dankbarkeit zu empfinden für jeden verdammten Augenblick seines zurückliegenden Lebens. Sam Mendes flicht auch diese merkwürdige Gesamtversöhnlichkeit noch virtuos in seinen Film ein. Trotzdem passt sie nicht. Sie wirkt wie ein hastig eingerührtes pantheistisches Beruhigungsmittel gegen die eigene Desillusionsdynamik. Vielleicht hat an dieser Stelle doch die Produktionsfirma DreamWorks ein Wort mitgeredet, auch in Erinnerung an den letzten Eklat über ein ganz ähnlich gelagertes Werk: Vor einem Jahr hatte Universal einer Tochterfirma verboten, Todd Solondz' großartig unversöhnliche Antifamiliensatire Happiness zu verleihen; der Film sei menschenverachtend.

Mendes' Film ist, bei aller Fassadenstürmerei, unbedingt menschenfreundlich, und um darüber keinen Zweifel aufkommen zu lassen, schiebt er irgendwann sogar die gesamte Schöpfung dem Menschen zur Offenbarung in Schönheit entgegen. Das macht, nach Lesters Tod und so manchem Zerwürfnis, den Weg zum Ausgang angenehmer. Es gibt zugleich der "amerikanischen Schönheit" eine letzte Bedeutung. Was auch Böses geschieht - Hollywood findet immer noch einen ideellen Vorgartenzaun, um es einzufrieden.