Ronald Harry Coase musste lange auf die Anerkennung warten. Noch 1988 klagte er im Vorwort seines Buchs The Firm, the Market and the Law, in dem er seine wichtigsten Aufsätze zusammengefasst hat, über ein mangelndes Echo: Seine bereits 1937 veröffentlichte Arbeit The Nature of the Firm sei zwar häufig zitiert worden, aber die darin enthaltenen Ideen gehörten nach wie vor nicht zum Rüstzeug der Ökonomen. Dann endlich: 1991 wurde Coase mit dem Nobelpreis für Ökonomie ausgezeichnet.

Mit einer simplen wie genialen Frage - Warum gibt es eigentlich Unternehmen? - hat Coase in einer knappen, im Buch nur 22 Seiten umfassenden Studie den Anstoß für eine neue Forschungsrichtung gegeben: die Transaktionskosten-Ökonomie.

Warum, fragt der überzeugte Marktwirtschaftler, wird der Preismechanismus, der auf den Märkten funktioniert, in den Unternehmen selbst ausgeschaltet? Nach Coases Theorie wurden die Unternehmen gegründet, um Reibungsverluste in der arbeitsteiligen Wirtschaft zu senken. Denn den Markt mit seinen Informationen und Möglichkeiten zu nutzen, erfordert Aufwand. Will zum Beispiel ein Händler sich für jede Büroarbeit in seinem Laden eine Hilfe auf dem Markt suchen, so kostet es ihn Geld, bevor nur eine Zeile getippt ist. Es entstehen Kosten für Preisvergleiche und Auswahl, für Verhandlungen und Verträge. Bei längerfristigen, ständig wiederkehrenden Transaktionen sei es darum günstiger, Partnerschaften zu bilden - eben in einer Firma mit Chefs und Angestellten. Reibungsverluste, für die er später selbst den Begriff der "Kosten-von-Markt-Transaktionen" einführt, ließen sich durch die interne Abwicklung von Aufträgen vermeiden. Anstelle des Marktes tritt die Hierarchie des Unternehmens.

Die Ängste damaliger Politiker, Unternehmen würden zu groß und mächtig, hielt Coase für unbegründet. Firmen wüchsen nur so lange durch Produktionsausweitung, Diversifikation oder Fusion, bis die Kosten für Organisation und Management den zusätzlichen Gewinn überstiegen. Und wenn die Angebote auf dem Markt billiger wären als das interne Weisungssystem, würden die Unternehmen die Leistungen außerhalb kaufen und nicht mehr selbst erbringen. Dieselben Transaktionskosten, die die Gründung einer Firma sinnvoll machen, begrenzten so auch deren Wachstum.

1951 zog der Brite in seine Wahlheimat USA und nahm 1964 einen Lehrauftrag an der einflussreichen Universität Chicago an. In dieser Zeit erschien auch sein zweites, ebenfalls in dem Sammelband enthaltenes Schlüsselwerk. Der Aufsatz The Problem of the Social Cost beschäftigte sich mit externen Effekten wie zum Beispiel der Luftverschmutzung durch eine Fabrik. Bewohner in der näheren Umgebung der Fabrik müssen darunter leiden. Für solche Fälle hatte Arthur Cecil Pigou 1920 einen populären Lösungsansatz formuliert: eine Umweltsteuer, welche die Fabrik zwingen würde, einen Filter einzubauen, die Produktion zu beschränken oder die Fabrik zu schließen. Coase kritisierte das der Pigou-Steuer zugrunde liegende Verursacherprinzip und löste damit fast einen Skandal aus, rüttelte er doch am tiefverwurzelten Rechtsempfinden der Gesellschaft.

Statt den Verschmutzer zur Verantwortung zu ziehen, will er den Nutzen der Volkswirtschaft maximieren. Eine Steuer, so Coase, bewirke eine gedrosselte Wirtschaftsleistung und berge soziale Kosten, beispielsweise indem Arbeitsplätze abgebaut würden. Deshalb schlägt er eine Verhandlungslösung ohne Staatseingriff vor.

Nach dem Coase-Theorem ist es für eine volkswirtschaftlich optimale Lösung gleich, wie die Eigentumsrechte an Umweltgütern zwischen Schädigern und Geschädigten zugeteilt werden. Statt die Fabrik zu zwingen, weniger Schadstoffe zu emittieren, könnten auch die Nachbarn die Kosten der Filteranlage übernehmen. Denn so wie der Fabrikbesitzer ein Interesse daran hat, zu produzieren und Gewinn zu erwirtschaften, so haben die umliegenden Bewohner ein Interesse an sauberer Luft und Ruhe. In der Theorie-Diskussion hat der Lösungsansatz von Coase eine wichtige Rolle gespielt, für die Praxis ist er jedoch kaum geeignet: Weil bei Umweltproblemen in der Regel die Zahl der Beteiligten sehr groß ist, sind auch die Transaktionskosten sehr hoch.