In den alten Mythen wimmelte es von Göttern, die auf die Erde herabstiegen und sich dafür einen hübschen Körper aussuchten - einen Stier, einen Schwan oder ein Pferd. "Avatare" ist die Bezeichnung für solche Verkörperungen in der hinduistischen Gedankenwelt . In der Computerwelt steht dieser Name für den umgekehrten Weg: Ein Mensch steigt in den Cyberspace und sucht sich dort einen Körper aus, der ihm gefällt. In Online-Systemen wie Worlds Away, CyCosmos oder Virtual Places laufen sie herum, die digitalen Alter Egos der Surfer. Dennoch fehlen ihnen wirklich individuelle Züge. Zumeist ist der Werkzeugkasten schwach bestückt, aus dem der Schöpfer seinen Avatar zusammenstellen darf. Noch häufiger scheint indes die Fantasie des Surfers schwach bestückt zu sein, wenn man all die simplen muskelprotzenden oder vollbusigen Figuren sieht, die sich in den Cyberwelten tummeln.

Zur Cebit, verspricht die englische Firma Cyber Frontier International, wird das alles Schnee von gestern sein. Sie will in Hannover eine Software vorstellen, mit der automatisch historische Avatare erstellt werden. Wer "Joan of Arc" eintippt, bekommt eine kurvenreiche Schönheit in Ritterrüstung, auch Macbeth, Robin Hood oder die Computerpionierin Ada Lovelace sind vorkonfiguriert. Zudem soll die Software imstande sein, aus einfachen Beschreibungen wie "wohlhabender blonder Kaufmann im 17. Jahrhundert" einen historisch korrekten Avatar zu zaubern.