Über 22 000 deutschsprachige Doktoranden stehen jedes Jahr vor der Frage, wie sie ihre Forschungsergebnisse der Fachwelt präsentieren sollen. Egal ob sie sich für die Vervielfältigung im Kopierladen, eine Microfiche-Edition oder den Verlagsdruck entscheiden - den Doktortitel darf ein Wissenschaftler erst im Namen führen, wenn er seine Arbeit veröffentlicht hat. So will es das akademische Protokoll seit 1913. Doch der Publikationszwang bereitet vielen Akademikern Bauchschmerzen. Denn die herkömmliche Buchveröffentlichung ist teuer. Verständlich, dass es mittlerweile viele ins kostengünstige Internet drängt.

Auch Jan Sorth sah nicht ein, warum er den Verlagen, mit denen er wegen seiner Dissertation in Verhandlung stand, zusätzlich zur Übertragung fast aller Nutzungsrechte auch noch einen Druckkostenzuschuss zahlen sollte. Der 36-jährige Jurist sah sich nach Alternativen um und stieß beim Hamburger Grossisten Libri auf das Angebot Books on Demand, Bücher auf Bestellung zu drucken.

Die finanzielle Ersparnis fällt beträchtlich aus. Die Drucklegung nach altem Muster kostet je nach Verlag zwischen 3000 und 8000 Mark. Bei Books on Demand müssen nicht mehr als rund 600 Mark einkalkuliert werden. Zudem büßt der Autor weniger Rechte ein und kann den Buchpreis selbst festlegen.

Der promovierte Online-Verleger muss allerdings auf einige Serviceleistungen verzichten, die ihm einschlägige Verlage bieten können. Größere Verlagshäuser machen die Neuerscheinung via Katalog mehreren tausend wissenschaftlichen Adressaten bekannt und verschicken auch Rezensionsexemplare an die jeweiligen Fachzeitschriften. Daneben kümmern sie sich um eine ISB-Nummer, den Eintrag ins Verzeichnis lieferbarer Bücher und um die Meldung bei der Verwertungsgesellschaft Wort wie bei der Deutschen Bibliothek in Frankfurt.

In vielen Prüfungsordnungen kommt das Internet nicht vor

Bevor sich der Doktorand für die elektronische Publikation seiner Arbeit als Book on Demand entscheidet, muss er in der Promotionsordnung prüfen, ob das Verfahren von seinem Fachbereich und der Hochschulbibliothek anerkannt wird. Da die meisten Promotionsordnungen aus Zeiten stammen, in denen es das World Wide Web noch nicht gab, ist die Genehmigung häufig nicht einfach. Doch Werner Reinhardt, Direktor der Siegener Hochschulbibliothek, zeigt ein Schlupfloch auf: "Es gibt Ausnahmegenehmigungen bis zur nächsten Änderung der Promotionsordnung. Bei einem entsprechenden Antrag erteilt ein Gremium deshalb häufig seine Zustimmung."

Books on Demand ist möglicherweise nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zur reinen Online-Dissertation. Bei der Deutschen Bibliothek in Frankfurt wurden 1998 bereits 218 ausschließlich elektronisch publizierte Doktorarbeiten registriert. Die meisten davon, rund 100, sind von Physikern oder Astronomen verfasst. Insgesamt weiß man in Frankfurt von etwa 700 Online-Dissertationen, die von 51 Universitätsbibliotheken gemeldet wurden.